Tag Archives: Motivation

Von Exposés und Leseproben

Versetzen Sie sich mal zurück in Ihre Schülerzeit und stellen Sie sich vor, Sie seien wieder zwölf Jahre alt. Falls Sie tatsächlich gerade zwölf Jahre alt sind, während Sie dies lesen, umso besser, dann brauchen Sie nicht so viel Phantasie einzusetzen. Und falls es schon zu lange her ist, um sich noch daran zu erinnern: das ist die Zeit, in der man ungefähr in die fünfte oder sechste Klasse geht, okay? Sind Sie soweit? Gut! Dann malen Sie sich folgende Szene aus:

Es ist Montagmorgen und eine Doppelstunde Mathematik steht ins Haus. Sie hatten am Wochenende mal wieder besseres zu tun, als Ihre Hausaufgaben zu erledigen und stehen mit leeren Händen da, als der Mathelehrer nach den Rechenaufgaben fragt. Doch, nein! Nicht mit ganz leeren Händen, denn Sie haben sich eine großartige Ausrede einfallen lassen! Eine ausgeklügelte Story mit einem Haufen an Argumenten. Eine ganz und gar überzeugende Geschichte. Und Sie haben Zeugen! Zeugen, die Ihnen ein hieb- und stichfestes Alibi verschaffen! Und Ihre Darstellung wird über jeden Zweifel erhaben sein …

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Rückläufe aus der ersten Leserunde

Fünf Ausdrucke habe ich erstellt und verteilt. Verwertbares Feedback habe ich bisher von zweien meiner Leser, die das Manuskript bereits komplett durchgearbeitet haben.

Das (für mich) wichtigste Ergebnis ist, dass ich es (das Manuskript) nicht einstampfen werde. Es geht weiter!

Es gab (natürlich) kein Lob über den grünen Klee. Wenn dem so wäre, müsste ich auch argwöhnen, mir zu unkritische Testleser gesucht zu haben. Ich würde jedoch beide als durchaus gnadenlose Kritiker einstufen. Insofern hat ihr Feedback viel Gewicht. Es sind schon einige sehr wesentliche Punkte angemerkt worden. Bei Fragen inhaltlicher Art werde ich erstmal den Rücklauf aller fünf Statements abwarten und dann Punkt für Punkt entscheiden, ob und wo ich ändere. Allerdings gibt es auch ein paar grundsätzliche Mängel, die festgestellt wurden. Manches davon hatte ich selber schon immer in Verdacht, noch nicht koscher zu sein. Das wurde mir jetzt bestätigt. Auf der einen Seite ist das natürlich ganz okay, weil es mir zeigt, dass mein eigener Eindruck von bestimmten Dingen noch in Ordnung ist und dass die Selbstreflektion funktioniert. Andererseits handelt es sich um Punkte, die zum Teil recht weitreichend sind und die größere Änderungen zur Folge haben werden.

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Überirdisch

Es ist schwer zu beschreiben, was am 20. März, dem letzten Tag meines Vier-Wochen-Urlaubs, passiert ist. Plötzlich war es vollbracht! Die Rohfassung der Geschichte war fertiggestellt. Nach 20 Tagen! Auf einem Umfang von 204 Normseiten erstreckte sich das erste Abenteuer von Heinrich Töpfer und seinen Freunden. Noch ist es ein weiter Weg, bis das Skript wirklich den Status fertig erreicht, aber es ist ein ganz unglaubliches Gefühl, wenn man den letzten von vielen hundert Absätzen mit einem Punkt beschließt und das letzte Wort unter einen Text schreibt, der einen über Wochen die Außenwelt völlig vergessen ließ.

Ich versuche nicht weiter, es in Worte zu fassen, es kann nur misslingen…

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Über das Allez-Gefühl

Haben Sie schon mal ein Damen-Tennisspiel gesehen, in dem Justine Henin-Hardenne mitspielte? Vielleicht wird Ihnen aufgefallen sein, dass sie nach fast jedem gewonnenen Punkt mehr oder weniger laut “Allez” ([franz.] Na los!, Komm schon!) ruft. Bei ihren Gegenerinnen ist das nicht immer wohl gelitten, weil sie es auch tut, wenn ein gewonnener Punkt auf dem Fehler der Gegnerin beruht. Sie lässt sich von Kritik nicht beirren und tut es weiter. Allez! Warum tut sie das? Sie tut es, weil es sie aufbaut. Sie peitscht sich nach vorn, sie freut sich auch über Schläge, die sie schon tausend Mal gespielt hat und sie schöpft Kraft selbst aus kleinen Erfolgen.

Beim Schreiben ist es ganz ähnlich. Es ist schwer, die entsprechenden Empfindungen in Worte zu fassen. Aber, wenn ich einen Dialog zu Papier (oder zu Bildschirm) gebracht habe, eine Metapher, einen Witz, eine griffige Beschreibung, dann geht es mir häufig wie dieser Tennisspielerin: Ich reiße die Finger von der Tastatur los, springe überwältigt auf, balle die Faust und sage: Ja, das ist es! Klingt melodramatisch, ist aber so. )

Selbst, wenn das Skript schon hunderte Seiten lang ist und Dialoge, Gags und Beschreibungen im Überfluss enthält… selbst, wenn das Gesamtwerk vielleicht der letzte Schund ist und in den Augen eines Lektors nicht einmal müde belächelt wird, so ist es doch immer wieder ein gutes Gefühl, eine Szenerie zu erschaffen, einen Charakter zu beschreiben, ihn ein Gespräch führen zu lassen, das es vorher so nicht gab. Auch, wenn das Skript am Ende durchfällt: Es ist faszinierend zu beobachten, wie aus Worten Sätze, aus Sätzen Szenen und aus Szenen Kapitel werden und es ist großartig, einen Anteil an diesem Schaffensprozess zu haben, wie er stärker nicht sein kann!

Ich halte es für unverzichtbar wichtig, aus der Arbeit Freude zu schöpfen und auch ich bleibe dabei: Und sei es nur der kleine Erfolg eines einzigen Wortes, das mir an dieser Stelle gefällt und das ich schon tausend Mal geschrieben habe. Allez!

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