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	<title>Techniken Archive - Das tapfere Schreiberlein</title>
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	<description>Der Schreiber</description>
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	<title>Techniken Archive - Das tapfere Schreiberlein</title>
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		<title>Bla-Bla-Detektor testet Texte auf Bullshit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Aug 2011 21:24:39 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Manchmal bringt das Internet echt witzige Ideen hervor. Wie zum Beispiel den Bla-Bla-Meter, der beliebige Texte auf ihren Anteil unverdaulichen Bullshits untersucht. Die Verwendung ist einfach: www.blablameter.de aufrufen, einen beliebigen Text, der bis zu fünfzehntausend Zeichen lang sein kann (Rest wird abgeschnitten), in das Eingabefeld eintippen oder reinkopieren, abschicken, fertig. Das Ergebnis wird als Dezimalwert [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal bringt das Internet echt witzige Ideen hervor. Wie zum Beispiel den Bla-Bla-Meter, der beliebige Texte auf ihren Anteil unverdaulichen Bullshits untersucht. Die Verwendung ist einfach: <a title="externer Link: Startseite des Bla-Bla-Meters" href="http://www.blablameter.de/index.php" target="_blank" rel="noopener">www.blablameter.de</a> aufrufen, einen beliebigen Text, der bis zu fünfzehntausend Zeichen lang sein kann (Rest wird abgeschnitten), in das Eingabefeld eintippen oder reinkopieren, abschicken, fertig. Das Ergebnis wird als Dezimalwert ausgegeben und mit einem Bewertungskommentar versehen. Nach welchen Algorithmen das dahintersteckende Programm den Text auswertet, bleibt im Dunkeln, die <a title="externer Link: Die FAQs des Bla-Bla-Meters" href="http://www.blablameter.de/fragen_und_antworten.html" target="_blank" rel="noopener">FAQs</a> geben nur ein paar allgemeine Hinweise dazu, aber ich finde die Bewertungen zu den Ergebnissen mitunter sehr treffend.</p>
<p>Testweise habe ich mal ein paar Texte analysiert, die mutmaßlich hohes Bullshit-Potenzial haben. Wo findet man sowas? Klar, auf <a title="externer Link: Startseite der Internetpräsenz der Bundesregierung" href="http://www.bundesregierung.de" target="_blank" rel="noopener">www.bundesregierung.de</a>.</p>
<p><strong>Erster Versuch:</strong> Regierungserklärung von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner zur EHEC-Krise. <strong>Bullshit-Index:</strong> 0,32. <strong>Bewertung:<span id="more-726"></span></strong> &#8222;Ihr Text zeigt schon erste Anzeichen heißer Luft. Für Werbe oder PR-Sprache ist das noch ein guter Wert, bei höheren Ansprüchen sollten Sie vielleicht noch ein wenig daran feilen.&#8220;</p>
<p><strong>Zweiter Versuch:</strong> Regierungserklärung von Ex-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle zum Jahreswirtschaftsbericht 2011. <strong>Bullshit-Index:</strong> 0,34. <strong>Bewertung:</strong> Dieselbe wie oben.</p>
<p>Der wahre Schenkelklopfer war dann aber der <strong>dritte Versuch:</strong> <a title="PDF-Download von der Seite der Bundesregierung: Flyer zum Energiekonzept (847 KB)" href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/__Anlagen/2011/06/2011-06-28-flyer-energiekonzept,property=publicationFile.pdf" target="_blank" rel="noopener">Der Flyer zum Energiewendekonzept der Bundesregierung</a>. <strong>Bullshit-Index:</strong> 0,4. Und dann die <strong>Bewertung:</strong></p>
<blockquote><p><strong>&#8222;Ihr Text riecht deutlich nach heißer Luft. Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken.&#8220;</strong></p></blockquote>
<p>Oh, wie treffend! Schon erstaunlich, wie solche Tools die Wahrheit ans Licht bringen. <em>Har har har!</em></p>
<p>Tja, wer bietet mehr? Laut Bla-Bla-Meter soll es Texte mit Indexwerten bis 1,0 und manchmal sogar darüber geben. Findet jemand einen? Her damit!</p>
<p>Ach ja: Die Kapitel der <a title="Heinrich, du siehst genauso aus wie dein Vater – Die wahre Harry-Potter-Parodie" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/die-wahre-harry-potter-parodie/">Leseprobe meiner Harry-Potter-Parodie</a> bringen es auf einen Indexwert von 0,12, die ersten Kapitel meines neuen Projekts &#8222;Zerfall&#8220; auf 0,11. Bewertung: &#8222;Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf Bullshit-Deutsch&#8220;. Laut den FAQs des Tools liegen gute Werte des Bla-Bla-Meters, den zum Beispiel hochwertige jounalistische Texte erzielen, zwischen 0,1 und 0,3. Na, das ist doch was.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-731" title="Bla-Bla-Meter" src="http://www.dastapfereschreiberlein.de/wp-content/uploads/2011/08/bla-bla-meter1.jpg" alt="Indexwert des Bla-Bla-Meters zu Schreiberleins Romanprojekt &quot;Zerfall&quot;" width="407" height="212" srcset="https://www.dastapfereschreiberlein.de/wp-content/uploads/2011/08/bla-bla-meter1.jpg 407w, https://www.dastapfereschreiberlein.de/wp-content/uploads/2011/08/bla-bla-meter1-300x156.jpg 300w" sizes="(max-width: 407px) 100vw, 407px" /></p>
<p>&nbsp; </p>
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		<title>Wie man eine Figur erschafft (3), oder: Die schwere Kindheit</title>
		<link>https://www.dastapfereschreiberlein.de/2010/05/10/wie-man-eine-figur-erschafft-3/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 May 2010 15:19:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Oh weh, schon wieder mehr als ein Quartal rum und noch nichts gebloggt. Nu aber &#8230; Beim letzten Mal habe ich kurz dargestellt, was alles bei der Beschreibung einer Romanfigur zu beachten ist. Dabei habe ich mich allerdings ausschließlich auf die Äußerlichkeiten beschränkt. Zu einer vollständigen Figur gehört jedoch wesentlich mehr als das. Was bisher [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de/2010/05/10/wie-man-eine-figur-erschafft-3/">Wie man eine Figur erschafft (3), oder: Die schwere Kindheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de">Das tapfere Schreiberlein</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Oh weh, schon wieder mehr als ein Quartal rum und noch nichts gebloggt. Nu aber &#8230;</p>
<p><a title="interner Link: Wie man eine Figur erschafft (2)" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/12/30/wie-man-eine-figur-erschafft-2/">Beim letzten Mal</a> habe ich kurz dargestellt, was alles bei der Beschreibung einer Romanfigur zu beachten ist. Dabei habe ich mich allerdings ausschließlich auf die Äußerlichkeiten beschränkt. Zu einer vollständigen Figur gehört jedoch wesentlich mehr als das. Was bisher noch fehlt, sind die Eigenschaften, die den eigentlichen Charakter ausmachen, die psychologischen bzw. soziologischen Eigenschaften. Bevor nun der geneigte Leser aufstöhnt und sagt, das sei doch alles übertrieben und ob man nicht die Kirche im Dorf lassen solle, sei an ein paar Dinge erinnert:</p>
<p>1. Die Biografierung einer Figur ist kein Selbstzweck. Sie dient dazu, sich selbst über die Figur besser klarzuwerden, sie kennenzulernen, ihre Macken, ihre Stärken und ihre Schwächen einschätzen zu können, zu wissen, wie sie zu dem geworden ist, was sie ist, wie sie in bestimmten Situationen reagieren wird, und warum. Nur wer seine Figuren kennt und sie im Griff hat, ist in der Lage, sie glaubwürdig und überzeugend agieren zu lassen.</p>
<p>2. Je wichtiger die Figur für die Geschichte, desto genauer sollte man sich im Vorfeld Gedanken über sie machen. Dies führt zwangsläufig dazu, dass eine Biografie bzw. ein Steckbrief für eine Figur umso umfangreicher wird, je stärker ihre Rolle in der Geschichte ist. Nicht zu jeder Figur muss jeder Aspekt ausgearbeitet werden. Das volle Programm gibt&#8217;s nur für die Hauptfiguren.</p>
<p>3. Je mehr Figuren, je mehr Verbindungen untereinander, desto größer der Biografierungsaufwand. Schreiben Sie ein Roadmovie, in dem es um die Geschichte des Ich-Erzählers geht, der versucht, auf einem Motorrad-Roadtrip durch die Wüste von Arizona über eine verflossene Liebe hinwegzukommen, und dabei nur zwei eingeborene Navajo-Indianer trifft, werden Sie mit der Biografiererei schnell fertig sein. Anders, wenn Sie ein Historienepos über drei Generationen hinweg schreiben.</p>
<p><span id="more-192"></span>Wenn ich anfange, eine Figur zu biographieren, habe ich einige Eckpunkte bereits im Kopf. Ich weiß zum Beispiel, welches Geschlecht die Figur hat, wie alt sie ist und welche Rolle sie in der Geschichte spielen soll (siehe &#8222;Wie man eine Figur erschafft&#8220; <a title="interner Link: Wie man eine Figur erschafft (1)" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/10/24/wie-man-eine-figur-erschafft-1/">Teil1</a> und <a title="interner Link: Wie man eine Figur erschafft (2)" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/12/30/wie-man-eine-figur-erschafft-2/">Teil 2</a>). Um die Figur genauer kennenzulernen, beginne ich die Biographie dann quasi mit ihrer Vorgeschichte: Wer sind ihre Eltern? Was sind ihre Berufe? Wo haben sie gelebt, als die Figur geboren wurde? Hat die Figur Geschwister? Schon diese Eingangsfragen haben starken Einfluss darauf, welche Frühentwicklung die Figur durchlebt hat. Der als viertes Kind eines Duisburger Stahlkochers und einer Schneiderin geborene Sohn wird anders aufwachsen als die einzige Tochter eines Universitätsprofessors und einer Grundschullehrerin im Westteil Berlins zur Zeit des geteilten Deutschlands.</p>
<p>Dann folgen die Fragen nach den Umständen, wie die Figur aufwuchs. Wie war das soziale Umfeld, wie die wirtschaftlichen Verhältnisse im Elternhaus? Hat es Änderungen des sozialen Umfeldes gegeben, etwa durch Umzüge oder Arbeitsplatzwechsel der Eltern? Gab es Scheidungen während der Kindheit und Jugend? War die Erziehung streng oder locker? Wie gestaltete sich der schulische Werdegang?</p>
<p>Es schließt sich die Phase an, in der die Figur dem Elternhaus entwächst. Der elterliche Einfluss nimmt ab, Freunde werden wichtiger. Welchen Einfluss hatten Freundeskreise auf die Entwicklung der Figur? Wie hat sich ihr Verhältnis zum Elternhaus während der Pubertät entwickelt? Hat die Figur weiterführenden Schulen besucht? Was beeinflusste ihre Berufswahl? Sollte die Person ihrem Umfeld entwachsen und gesellschaftlich aufgestiegen sein, wie hat sie das geschafft? Bei einem Abstieg: Was hat das verursacht?</p>
<p>Die Faktoren, die sich rund um das Milieu spinnen, in dem die Person aufgewachsen ist, sind vielleicht der wichtigste Aspekt in der Soziologie eines Menschen. Bei Romanfiguren wie bei echten Menschen. Wer diese und ähnliche Fragen beantworten kann, wird erkennen, warum eine Person/Figur so ist wie sie ist. Nur mit dem Unterschied, dass wir dies bei Romanfiguren selbst in der Hand haben.</p>
<p>Bei den Aspekten des Schöpfungsaktes in unserer Figurenküche sollten wir nicht vergessen, dass es häufig die ungeordneten Verhältnisse sind, die eine Figur spannungsreich machen. Was wir einem Menschen in der Realität meistens weniger wünschen, kann einer Romanfigur den anregenden Touch verleihen, der den Leser erst auf sie neugierig werden lässt. Eine Figur kann ohne Eltern im Waisenhaus aufgewachsen sein, die Eltern könnten mittellos oder kriminell gewesen sein. Die Figur könnte unter Trennungen der Eltern gelitten haben und in einer Patchworkfamilie aufgewachsen sein, in der es Spannungen unter womöglich ethnisch gemischten Geschwistern gab. Sie könnte ein unerwünschtes Kind gewesen oder von ihren Geschwistern gequält und gegängelt, in der Schule ausgegrenzt oder von Mitschülern gemobbt worden sein. Die Figur könnte bereits in jungen Jahren in schlechte Gesellschaft geraten oder von zu Hause abgehauen sein. Und so weiter und so weiter. Die Palette ist endlos. Häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch, Drogenkonsum, Alkoholismus, Kriminalität, Okkultismus, Radikalismus, dunkle Geheimnisse in der Vergangenheit &#8230; Lassen Sie Ihre Phantasie spielen. Legen Sie Ihren Figuren ruhig ein paar Steine in den Weg, geben sie ihnen ein paar Ecken und Kanten mit. Was sie nicht umbringt, macht sie nur härter. Und unterhaltsamer. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de/2010/05/10/wie-man-eine-figur-erschafft-3/">Wie man eine Figur erschafft (3), oder: Die schwere Kindheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de">Das tapfere Schreiberlein</a>.</p>
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		<title>Wie man eine Figur erschafft (2), oder: &#8222;Du weißt schon wer&#8220; im Eigenbau</title>
		<link>https://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/12/30/wie-man-eine-figur-erschafft-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 16:15:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie entwirft man eine Figur Schritt für Schritt? Diese Frage möchte ich heute ein wenig näher beleuchten. Oder wenigstens damit anfangen, denn alle Aspekte werde ich in einem Artikel nicht unterbringen können. Wie bereits beim letzten Mal kurz angerissen, sollte man sich, wenn man beginnt Figuren zu entwerfen, bereits hinreichend Gedanken darüber gemacht haben, was [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/12/30/wie-man-eine-figur-erschafft-2/">Wie man eine Figur erschafft (2), oder: &#8222;Du weißt schon wer&#8220; im Eigenbau</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de">Das tapfere Schreiberlein</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie entwirft man eine Figur Schritt für Schritt? Diese Frage möchte ich heute ein wenig näher beleuchten. Oder wenigstens damit anfangen, denn alle Aspekte werde ich in einem Artikel nicht unterbringen können.</p>
<p>Wie bereits <a title="interner Link: Grundsätzliche Gedanken zum Erschaffen von Romanfiguren" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/10/24/wie-man-eine-figur-erschafft-1/">beim letzten Mal</a> kurz angerissen, sollte man sich, wenn man beginnt Figuren zu entwerfen, bereits hinreichend Gedanken darüber gemacht haben, was für eine Geschichte man schreiben will, was für Figuren man dafür braucht und für welche Funktionen in der Geschichte sie vorgesehen sind. Jede dieser Figuren verfügt zunächst über eine Reihe im Wesentlichen unveränderlicher Merkmale, die ich gerne die &#8222;harten&#8220; Eigenschaften nennen und mit denen ich anfange: Geschlecht, Alter, Name, ethnische Herkunft. Es sind die Dinge, die auch auf dem Steckbrief eines Gesuchten ganz oben stehen würden.</p>
<blockquote><p>Gesucht wird: &#8222;Du-weißt-schon-wer&#8220;, auch bekannt unter dem Pseudonym &#8222;Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf&#8220;<br />
Der Gesuchte ist männlich, nach dem Augenschein ca. 40 bis 45 Jahre alt und auffallend hellhäutig.</p></blockquote>
<p>Zu den harten Eigenschaften, oder auch der Physis einer Figur, gehören natürlich noch weitere Dinge, die im nächsten Schritt dazukommen: Haar- und Augenfarbe, Größe, Gewicht, Körperbau, Körperhaltung, Gangart. Auch das kennen wir aus besagten Steckbriefen von Gesuchten.</p>
<blockquote><p>Du-weißt-schon-wer ist etwa 1,90m groß und schmächtig. Er trägt eine Glatze und ist bartlos. Er hat auffällige rote Augen mit schlangenähnlichen Pupillen. Seine Nasenlöcher sind deformiert und zu Schlitzen verengt.</p></blockquote>
<p>Die weiteren Eigenschaften werden immer spezieller und detaillieren das Bild weiter. Physische Besonderheiten kommen hinzu, wie zum Beispiel Narben, Male, Tätowierungen, Piercings, fehlende Gliedmaßen, Behinderungen, Kurzsichtigkeit, Hinken, Stottern &#8230; Dazu der Gesundheitszustand, Allergien, frühere Erkrankungen, Neigung zu Mundgeruch oder Schweißausbrüchen. Ferner die Stimmlage und einprägsame Gesten beim Reden. Und schließlich gehört zum Erscheinungsbild einer Figur auch ihr Kleidungsstil, Make-up, auffälliger Schmuck, Statussymbole wie Uhren und sonstige Accessoirs.</p>
<blockquote><p>Auf dem rechten Unterarm trägt Du-weißt-schon-wer eine prägnantes Mal in Form eines Totenkopfes, aus dem eine Schlange kriecht. Er trägt gewöhlich weite schwarze Umhänge und offene Schuhe. Außerdem führt Du-weißt-schon-wer stets einen Zauberstab und häufig eine große lebende Schlange mit sich.</p></blockquote>
<p>Wohlgemerkt haben wir uns bis hierher nur mit der Physis der Figuren beschäftigt, also mit den Äußerlichkeiten, aber noch nicht mit ihrer Psyche und ihrer Soziologie, sprich, dem, was eigentlich ihren Charakter ausmacht. Diese Aspekte werden wir dann beim nächsten Mal untersuchen.</p>
<p>Für heute bedanke ich mich einstweilen bei allen Leserinnen und Lesern für ihr Interesse und ihre Treue und wünsche einen guten Rutsch und einen guten Start ins neue Jahr.</p>
<p>Ihr/Euer</p>
<h2><em>Dave Kramer</em></h2>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/12/30/wie-man-eine-figur-erschafft-2/">Wie man eine Figur erschafft (2), oder: &#8222;Du weißt schon wer&#8220; im Eigenbau</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de">Das tapfere Schreiberlein</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie man eine Figur erschafft (1)</title>
		<link>https://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/10/24/wie-man-eine-figur-erschafft-1/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Oct 2009 20:55:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich meine Artikelserie aus der Schreibwerkstatt mit der Frage beginnen, welchen Zweck Schreibanleitungen haben, ob man aus ihnen kreatives Schreiben erlernen kann und ob kreatives Schreiben überhaupt erlernbar oder eine &#8222;angeborene&#8220; Fähigkeit ist. Nun, ich bin davon überzeugt, dass kreatives Schreiben sehr wohl erlernbar ist und dass jeder, der einen einigermaßen geraden Satz [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/10/24/wie-man-eine-figur-erschafft-1/">Wie man eine Figur erschafft (1)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de">Das tapfere Schreiberlein</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich meine Artikelserie aus der Schreibwerkstatt mit der Frage beginnen, welchen Zweck Schreibanleitungen haben, ob man aus ihnen kreatives Schreiben erlernen kann und ob kreatives Schreiben überhaupt erlernbar oder eine &#8222;angeborene&#8220; Fähigkeit ist.</p>
<p>Nun, ich bin davon überzeugt, dass kreatives Schreiben sehr wohl erlernbar ist und dass jeder, der einen einigermaßen geraden Satz formulieren und sich mündlich ausdrücken kann, auch kreativ schreiben kann, wenn er willens ist, es zu lernen. Irgendwie habe ich auf diese ewige Diskussion im Moment aber einfach keine Lust. Wer unbedingt glauben will, dass kreatives Schreiben eine gottgebene Fähigkeit ist und er es niemals lernen kann, der wird sich auch von mir nicht vom Gegenteil überzeugen lassen und soll von mir aus auf seinem bequemen Standpunkt hocken bleiben. Für alle anderen lasse ich das ganze Vorgeplänkel über Talent und Begabung einfach mal beiseite und fange mit meinen Schreibwerkstattberichten mittendrin an, dort, wo die Arbeit bereits in vollem Gange ist. Bei den Figuren. Und dabei, wie man sie erschafft.<span id="more-188"></span></p>
<p>Bevor ich anfange, mir darüber Gedanken zu machen, <em>wie </em>eine Figur sein soll, will ich mir darüber klar sein, welche Figuren überhaupt gebraucht werden, um die Geschichte zu erzählen. Wer ist die Hauptfigur, der &#8222;Held&#8220;? Wer steht ihm zur Seite und wird ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe behilflich sein? Und, noch wichtiger: Wer ist gegen ihn und wird ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe <em>hinderlich</em> sein? Hauptrollen und Nebenrollen sind zu besetzen. Und, nicht zu vergessen, die Statisten. Es ist ähnlich wie beim Casting für einen Film.</p>
<p>Die Überlegungen darüber, welche Geschichte man grundsätzlich schreiben möchte und welchem inneren Aufbau sie folgen soll, sollten zu diesem Zeitpunkt in groben Zügen bereits erfolgt sein. Wobei man in diesem Fall den Gaul natürlich auch von der anderen Seite her aufzäumen kann und sagen, die Figuren erschaffen die Geschichte, wie es beispielsweise Elizabeth George in ihrem Schreibratgeber &#8222;Wort für Wort&#8220; tut. (Elizabeth George, Wort für Wort, Seite 32 f.)</p>
<p>Letztlich ist es ganz egal, von welcher Seite aus man es betrachtet: Figuren und Plot bedingen einander, und die Figurenliste wächst zusammen mit dem Aufbau des Handlungsentwurfes zu ihrem vollständigen Umfang an, wie umgekehrt der Handlungsentwurf mit den Figuren Kontur annimmt. Wobei &#8222;vollständig&#8220; nicht heißen soll, dass die Liste statisch ist. Beim Erstellen der Rohfassung und auch später können jederzeit Figuren hinzukommen oder wegfallen.</p>
<p>Es wird nur in den seltensten Fällen möglich sein, eine Figur direkt beim ersten Wurf vollständig anzulegen, aus dem einfachen Grunde, weil sie im Kopf noch nicht fertig ist. Deswegen geht man bei der Analyse einer Figur am besten schrittweise vor. Wie das passiert, wollen wir uns beim nächsten Mal anschauen. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de/2009/10/24/wie-man-eine-figur-erschafft-1/">Wie man eine Figur erschafft (1)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de">Das tapfere Schreiberlein</a>.</p>
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		<item>
		<title>Schreiben ist leichter(?!)</title>
		<link>https://www.dastapfereschreiberlein.de/2008/12/02/schreiben-ist-leichter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Dec 2008 19:41:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Kürzlich habe ich ein Rhetorikseminar besucht. Vier Tage Reden und Kurzvorträge halten. Spaß hats gemacht, ist aber auch recht anstrengend und dabei wirklich nicht ohne. Auf was man beim Reden, vom Inhalt mal ganz abgesehen, so alles achten muss: Die Körperhaltung, den Blickkontakt zum Publikum, die Handhaltung, die Gestik, die Mimik, die Stimmmodulation, Betonung, Lautstärke, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kürzlich habe ich ein Rhetorikseminar besucht. Vier Tage Reden und Kurzvorträge halten. Spaß hats gemacht, ist aber auch recht anstrengend und dabei wirklich nicht ohne. Auf was man beim Reden, vom Inhalt mal ganz abgesehen, so alles achten muss: Die Körperhaltung, den Blickkontakt zum Publikum, die Handhaltung, die Gestik, die Mimik, die Stimmmodulation, Betonung, Lautstärke, Spontanität &#8230; Du meine Güte! Und das auch noch alles gleichzeitig! Schreiben ist leichter, oder?</p>
<p>Wer schreibt, muss zum Beispiel schon mal nicht spontan sein. Auch wenn das, was eine Romanfigur so zum Besten gibt, richtig spontan, schlagfertig und cool klingt: Als Schreiber kann ich mir, wenn ich will, monatelang Zeit lassen und einen Dialog, Monolog, eine Aussage oder Bemerkung immer wieder und wieder umformulieren, neu fassen und daran herumfeilen, bis es, nun ja &#8230; so richtig spontan, schlagfertig und cool klingt.<span id="more-166"></span></p>
<p>Zweitens: Beim Schreiben stellt sich kein Lampenfieber wie beim Vortrag vor Publikum ein. Schreiben kann man ganz für sich allein im stillen Kämmerlein (reimt sich sogar).</p>
<p>Drittens muss man beim Schreiben nicht auf die Betonung und Stimmmodulation achten, denn der Leser hört nicht, ob eine Figur gerade ihre Stimme hebt oder senkt. Das muss im Kopf, in der Phantasie des Lesers passieren.  Andererseits muss ich als Schreiber sehr wohl dafür sorgen, dass im Kopf des Lesers das von mir beabsichtigte Bild überhaupt entstehen kann. Nichts ist schlimmer, als wenn die Figur gerade, zumindest in der Absicht des Autors, furchtbar aufgeregt die Stimme erhebt oder hitzig eine Debatte führt, und im Kopf des Lesers findet außer Ödnis gar nichts statt. Und zwar nicht wegen der geistigen Ebbe beim Leser, sondern weil ich es als Autor nicht geschafft habe, in seinem Kopf die richtigen Bilder bzw. die richtige Stimmung zu erzeugen. Drittens ist also nicht so ganz stichhaltig.</p>
<p>Tja, dann also zu Viertens: Hm, Gestik, Mimik, Körpersprache &#8230; Dass ich beim Schreiben darauf nicht zu achten habe, wäre auch nicht korrekt zu behaupten. Es obliegt schon der Rolle des Schreibers, seinen Figuren diese Dinge mitzugeben, oder zumindest die Phantasie des Lesers auf eine Weise anzuregen, dass die Figuren in seinem Kopf in der beabsichtigten Weise lebendig werden. Und das möglichst, ohne zu viele Details zu beschreiben. Die Phantasie soll ja auch nicht unnötig eingeengt werden. Ist also vielleicht sogar schwieriger als reden.</p>
<p>Tja, bevor ich die Liste weiter fortsetze und mich zunehmend in Widersprüche verstricke, höre ich jetzt lieber auf. Ich schätze, wirklich <em>leichter </em>ist schreiben dann doch nicht. Nur anders. <img decoding="async" onclick="grin(':mrgreen:');" src="../wp-includes/images/smilies/icon_mrgreen.gif" alt=":mrgreen:" /> </p>
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		<title>Rohfassung</title>
		<link>https://www.dastapfereschreiberlein.de/2008/05/10/rohfassung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 May 2008 10:58:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Neulich von einer Bekannten auf die Frage angesprochen, wie weit denn meine Kurzgeschichte sei, antwortete ich ihr, die Rohfassung sei soweit fertig, aber ob ich die ganze Überarbeiterei bis zum Einsendeschluss schaffe, wisse ich noch nicht. Daraufhin fragte sie mich, ob ich denn dann wenigstens die Rohfassung zum Wettbewerb einschicken würde. Schaudernd wich ich zurück. [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich von einer Bekannten auf die Frage angesprochen, wie weit denn meine Kurzgeschichte sei, antwortete ich ihr, die Rohfassung sei soweit fertig, aber ob ich die ganze Überarbeiterei bis zum Einsendeschluss schaffe, wisse ich noch nicht. Daraufhin fragte sie mich, ob ich denn dann wenigstens die Rohfassung zum Wettbewerb einschicken würde. Schaudernd wich ich zurück. Versenden? Eine Rohfassung? Niemals! Sie schaute mich ein wenig unverständlich an, nicht wissend, was denn so schlimm daran sei, eine nicht hundertprozentig feingearbeitete Geschichte zu verschicken. Es ginge doch in erster Linie um die Idee. Dafür hätte ein Verlag, eine Agentur, der Ausrichter eines Wettbewerbs doch bestimmt Verständnis.</p>
<p>Tja, das ist leider ein fundamentaler Irrtum. Ein Verlag, eine Agentur oder der Ausrichter eines Wettbewerbs haben weder die Zeit noch die Lust, sich um unfertige Projekte zu kümmern. Auf ihren Internetseiten <em>flehen </em>die Anbieter die Autoren geradezu an, ihre Manuskripte bzw. Leseproben doch bitte erst dann einzuschicken, wenn man wirklich überzeugt sei, einen Text so gut ausgearbeitet zu haben, dass man kein Verbesserungspotenzial mehr sehe. Mit bloßen Ideen oder Rohfassungen anzukommen kann man sich leisten, wenn man als Autor fest im Sattel sitzt und quasi zusammen mit dem Lektor eines Verlages oder seinem Agenten ein Buch von der Idee an entwirft.</p>
<p>Und zweitens: Eine Rohfassung hat nichts mit &#8222;nicht hundertprozentig feingearbeitet&#8220; zu tun, denn eine Rohfassung ist meilenweit davon entfernt, auch nur <em>halbfertig </em>zu sein. Aber, um ein wenig mehr Licht ins Dunkel zu bringen, wenden wir uns doch mal der Frage zu: Was ist das eigentlich, eine Rohfassung?</p>
<p>Eine Rohfassung geht erheblich weiter als ein Plot, welcher nur ein Grundgerüst, eine Sammlung von Gedanken, Charakteranalysen und Schauplatzbeschreibungen darstellt. Eine Rohfassung enthält bei mir bereits strukturiert und überwiegend ausformuliert die gesamte Geschichte in kausal miteinander verknüpften und aufeinander abfolgenden Szenen. Sämtliche Figuren und Schauplätze kommen vor, Dialoge sind vorhanden und teilweise lässt sich eine Rohfassung schon lesen, wie das fertige Manuskript. Aber eben nur teilweise. Beim Schreiben einer Rohfassung achte ich nicht auf Perfektion. Ich schreibe einfach, wie mir die Gedanken in den Sinn kommen. Manchmal so schnell, dass ich ganze Wörter oder Halbsätze auslasse, nur um schneller weiter zum nächsten Satz zu kommen, bevor ich ihn wieder vergesse.</p>
<p>Rechtschreibung, Wortwahl, Satzbau, Zeichensetzung spielen keine Rolle. Mitunter lasse ich auch ganze Dialoge weg. Figuren, die noch keine Namen haben, werden &#8222;Bla&#8220; oder &#8222;Schnick&#8220; genannt. Szenen reißen mitten im Satz ab, ergänzt von einem Klammerzusatz, in dem steht &#8222;Hier muss noch etwas hin&#8220; oder &#8222;Darüber muss ich mir noch Gedanken machen&#8220;. Auch Absätze, in denen zehnmal hintereinander das gleiche Verb oder Adjektiv gebraucht wird, kommen vor. Manchmal schreibe ich auch den gleichen Absatz oder Dialog mehrmals hintereinander, mit unterschiedlicher Satzstellung oder alternativen Formulierungen, um mir später Gedanken darüber zu machen, welche Variante mir am besten gefällt oder der Geschichte am besten dient.</p>
<p>Es kommt mir also beim Erstellen der Rohfassung zunächst nur darauf an, die Geschichte aus mir herauszulassen, egal wie. Mir über Formulierungen, Stil, Dialogdetails usw. Gedanken zu machen, hat Zeit für die vielen Zyklen der Überarbeitung, wenn der innere Lektor eingeschaltet und jeder einzelne Satz an den Marterpfahl der Kritik gestellt wird.</p>
<p>Ich denke, daraus wird klar, dass eine Rohfassung eine reine Autorenfassung ist und ebensowenig etwas in der freien Wildbahn zu suchen hat, wie ein neues Auto, das zuerst nur als Holz- oder Tonmodell existiert. Erst dann, wenn es zumindest den Erlkönigstatus erreicht hat, wird ein Auto erstmals in der Realität auf seine Praxistauglichkeit getestet und hie und da von aufmerksamen Journalisten erspäht. Ihr kennt vielleicht diese merkwürdigen Fotos, meistens etwas unscharf, von seltsam verkleidet aussehenden unbekannten Autos, die irgendwo in den verschneiten schwedischen Wäldern aufgenommen wurden. Übertragen auf eine Geschichte wäre das Erlkönigstadium dasjenige, zu dem erste Testleser die Story in die Finger gedrückt bekommen, verbunden mit der Aufforderung, ein Brauchkarkeitsurteil abzugeben. Mit Holzmodellen sollte man jedoch keinen Testleser und erst recht keinen Verlag, Agenten oder Ausrichter eines Literaturwettbewerbes behelligen.</p>
<p>Schöne Pfingsten wünscht<br />
Euer</p>
<h2><em>Schreiberlein</em></h2>
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		<title>Kampf den Füll- und Flickwörtern</title>
		<link>https://www.dastapfereschreiberlein.de/2006/09/22/kampf-den-fuell-und-flickwoertern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Sep 2006 19:48:56 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Autorentipps]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Flickwörter]]></category>
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		<category><![CDATA[Heinrich Töpfer]]></category>
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		<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Techniken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein bisschen Kultur hat noch keinem geschadet Getreu dieses Mottos besuchte ich Mittwoch Abend mit Freunden eine recht inspirierende literarische Veranstaltung in der Kulturkirche in Köln-Nippes. Frank Schätzing, in erster Linie bekannt geworden durch den Thriller &#8222;Der Schwarm&#8220;, stellte das Hörspiel zu seinem Mittelalterkrimi &#8222;Tod und Teufel&#8220; vor. Während Frank Schätzing über die Tücken bei [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Ein bisschen Kultur hat noch keinem geschadet</p></blockquote>
<p>Getreu dieses Mottos besuchte ich Mittwoch Abend mit Freunden eine recht inspirierende literarische Veranstaltung in der <a title="Kulturkirche Köln-Nippes" href="http://www.kulturkirche-koeln.de/" target="_blank" rel="noopener">Kulturkirche in Köln-Nippes</a>. <a title="Homepage von Frank Schätzig (zur Zeit im Umbau)" href="http://www.frank-schaetzing.com/main.html" target="_blank" rel="noopener">Frank Schätzing</a>, in erster Linie bekannt geworden durch den Thriller &#8222;Der Schwarm&#8220;, stellte das Hörspiel zu seinem Mittelalterkrimi &#8222;Tod und Teufel&#8220; vor. Während Frank Schätzing über die Tücken bei der Herstellung eines Hörspiels sprach, kam er auf ein Dilemma zu sprechen, dem man unweigerlich bei der Vertonung solch umfangreicher Texte, wie es &#8222;Tod und Teufel&#8220; nun einmal ist, gegenüber steht: Wie bringt man den Text auf einer überschaubaren Menge Tonträger unter? Jeder, der schon mal einen längeren Text laut vorgelesen hat, sei es zu Hause am Bett der Kinder oder auch bei der Produktion eines Podcasts, wird die Erfahrung bereits gemacht haben: Es dauert erheblich länger, eine Buchseite vorzutragen, als sie nur für sich im Stillen zu lesen. Folglich nehmen Hörbuchproduktionen schnell biblische Ausmaße an: &#8222;Harry Potter und der Stein der Weisen&#8220;: 9 CDs; &#8222;Der Schwarm&#8220;: 10 CDs; &#8222;Der Herr der Ringe &#8211; Die Gefährten&#8220;: 16 CDs; &#8222;Harry Potter und der Orden des Phönix&#8220;: 26 CDs. So hoch diese Zahlen auch klingen, sie wären weit höher, würde mit den Texten nicht etwas getan, wovor es den Autor graust und was Frank Schätzing bei seiner Hörspielvorstellung &#8222;das böse K-Wort&#8220; nannte: Kürzen!</p>
<p>Schätzing machte in dem Zusammenhang eine interessante Rechnung auf: Wenn man sämtliche Inquit-Formeln wegkürzt (Inquit-Fromeln = sog. Redezusätze, also solche Dinge wie &#8222;er sagte&#8220;, &#8222;sie sagte&#8220;, &#8222;antwortete er&#8220;, &#8222;rief sie&#8220; usw.), kommt man bei einem 500-Seiten-Manuskript schnell auf eine Ersparnis von zwölf Seiten. Klingt wenig, läppert sich aber zusammen. Nun ist es bei einem Buchmanuskript etwas problematisch, einfach auf die Inquit-Formeln zu verzichten. Spätesten bei längeren Dialogen oder Dialogen mit mehr als zwei Beteiligten verlöre man als Leser sehr schnell den Überblick, wenn man nicht ab und zu erinnert wird, wer was zu wem sagt; zumal viele dieser Formeln beim geschriebenen Wort dazu dienen, zu schildern <em>wie </em>etwas gesagt wird: resigniert, schrill, hysterisch, leise, heiser, provokant, ruhig, nervös, gehaucht, lasziv, barsch, schroff usw.</p>
<p>Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ach ja: Kürzen. <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.0.3/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>
<p><span id="more-48"></span><br />
Also: Anders als bei Hörspielproduktionen sind die Inquit-Formeln bei Buchmanuskripten natürlich unverzichtbar, aber es gibt andere Löschkandidaten, nach denen es zu fahnden lohnt. Gemeint sind Hilfs-, Füll- und Flickwörter. Ein Beispiel? Gerne: sehr, natürlich, offenbar, wohl, irgendwo, etwas, ja, doch, eigentlich, fast, hier, jetzt, wieder, vielleicht &#8230; Die Liste der Kandidaten ist lang. In meiner persönlichen Füllwörterliste tummeln sich etwa 50 Begriffe; Abwandlungen nicht mitgezählt. Was ist einzuwenden, gegen diese Wörter, für die es so klangvolle Namen gibt wie Adverb, Konjunktion oder Pronomen? Im Prinzip gar nichts. Es kommt immer darauf an, in welchem Kontext sie verwendet werden. Und in einer Erzählung gibt es manch eine Stelle, an der sie schlicht gar nichts verloren haben.</p>
<p>Die Häufigkeit dieser Wörter ist erstaunlich. In der Hitliste der zwanzig verbreitetsten Hilfs- und Füllwörter im Manuskript zu &#8222;Heinrich Töpfer &#8211; Bitte nicht rütteln&#8220; , bin ich auf die erstaunliche Anzahl von 6733 gekommen (dank IT-Unterstützung kann man so etwas recht fix feststellen). Nach der Durchforstung waren es noch 4575. Das ist eine Verringerung um fast 2200 Wörter bzw. knapp ein Drittel und entspricht einem Volumen von etwa neun Seiten.</p>
<p>Aber vorsicht: Nicht über das Ziel hinausschießen. Daran, dass bei meinen zwanzig &#8222;beliebtesten&#8220; Kanidaten 4575 Ausprägungen übrig geblieben sind, kann man ermessen, dass es natürlich verfehlt wäre, die vermeintlich bösen Wörter einfach zu streichen. Viele Dialogsätze klängen völlig unnatürlich, ohne die vielen Füll- und Hilfswörter, mit denen wir auch im täglichen Leben um uns werfen. Ebenso verhält es sich, wenn man jemandem etwas erzählt, so wie ich hier gerade in diesem Blog, in dem es von Hilfs-, Füll- und Flickwörtern nur so wimmelt. Es kommt halt immer auf den Einzelfall an, und was in der Stimme des Erzählers Fehl am Platz sein kann, hat in einem Dialog möglicherweise durchaus seine Berechtigung.</p>
<p>In einem der nächsten Beiträge werde ich mal ein paar konkrete Beispiele aus meinem eigenen Manuskript vorstellen, sonst heißt es wieder &#8222;Der Kramer, der spinnt wieder total rum mit seiner Korinthenkackerei&#8220;.</p>
<p>Ach, übrigens: Bereits Goethe benutzte eine solche Liste, die man sich unter <a title="Goethes Liste verbotener Redewendungen in literarischen Manuskripten" href="http://www.autoren-magazin.de/goethes-verbote.phtml" target="_blank" rel="noopener">http://www.autoren-magazin.de/goethes-verbote.phtml</a> ansehen kann. Leider habe ich die erst entdeckt, nachdem ich meine eigene fertig hatte. <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.0.3/72x72/1f600.png" alt="😀" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> </p>
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		<title>Von Exposés und Leseproben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Aug 2006 07:08:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[einfach alles]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Autorentipps]]></category>
		<category><![CDATA[Biographien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Versetzen Sie sich mal zurück in Ihre Schülerzeit und stellen Sie sich vor, Sie seien wieder zwölf Jahre alt. Falls Sie tatsächlich gerade zwölf Jahre alt sind, während Sie dies lesen, umso besser, dann brauchen Sie nicht so viel Phantasie einzusetzen. Und falls es schon zu lange her ist, um sich noch daran zu erinnern: [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de/2006/08/14/von-exposes-und-leseproben/">Von Exposés und Leseproben</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de">Das tapfere Schreiberlein</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Versetzen Sie sich mal zurück in Ihre Schülerzeit und stellen Sie sich vor, Sie seien wieder zwölf Jahre alt. Falls Sie tatsächlich gerade zwölf Jahre alt sind, während Sie dies lesen, umso besser, dann brauchen Sie nicht so viel Phantasie einzusetzen. Und falls es schon zu lange her ist, um sich noch daran zu erinnern: das ist die Zeit, in der man ungefähr in die fünfte oder sechste Klasse geht, okay? Sind Sie soweit? Gut! Dann malen Sie sich folgende Szene aus:</p>
<p><em>Es ist Montagmorgen und eine Doppelstunde Mathematik steht ins Haus. Sie hatten am Wochenende mal wieder besseres zu tun, als Ihre Hausaufgaben zu erledigen und stehen mit leeren Händen da, als der Mathelehrer nach den Rechenaufgaben fragt. Doch, nein! Nicht mit ganz leeren Händen, denn Sie haben sich eine großartige Ausrede einfallen lassen! Eine ausgeklügelte Story mit einem Haufen an Argumenten. Eine ganz und gar überzeugende Geschichte. Und Sie haben Zeugen! Zeugen, die Ihnen ein hieb- und stichfestes Alibi verschaffen! Und Ihre Darstellung wird über jeden Zweifel erhaben sein &#8230;</em></p>
<p><span id="more-42"></span></p>
<p><em>Als der Mathepauker schließlich mit zweifelndem Augenaufschlag und leicht ironischem Lächeln in den Mundwinkeln vor Ihnen steht, den Arm voller Hausaufgabenhefte, und fragt: &#8222;Und, David? Bekomme ich heute von dir zur Abwechslung auch mal wieder etwas zu sehen?&#8220;, legen Sie im Brustton der Überzeugung los. &#8222;Also, das war so, Herr Miesmann, meine kleine Schwester und ihr Hund haben &#8230;&#8220;</em></p>
<p><em>An dieser Stelle unterbricht Herr Miesmann das erste Mal. &#8222;Mach&#8217;s kurz, David&#8220;, seufzt er und schaut mit verdrehten Augen zur Decke.</em></p>
<p><em>Sie setzen noch einmal neu an. &#8222;Ja, also meine kleine Schwester und ihr Hund haben &#8230;&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit&#8220;, unterbricht Miesmann erneut und trommelt mit den Fingern der Linken ungeduldig einen Marsch auf dem Heftstapel in seinem Arm.</em></p>
<p><em>&#8222;Aber Sie werden nicht verstehen, wenn Sie nicht die ganze Geschichte &#8230;&#8220;, jammern Sie verzweifelt.</em></p>
<p><em>&#8222;Beschränk dich aufs Wesentliche und komm zum Punkt&#8220;, beharrt der unnachgiebige Pauker.</em></p>
<p><em>&#8222;Also da war dieser Hund &#8230; nein, es war die Sendung im Fernsehen, die mich abgelenkt &#8230; und meine Kumpels haben &#8230;&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Kürzer&#8220;, bellt Miesmann.</em></p>
<p><em>Betreten starren Sie auf Ihre Hände, die auf dem Schulpult liegen und vorsorglich schon mal zum Gebet gefaltet sind. &#8222;Keine Lust gehabt&#8220;, gestehen Sie kleinlaut.</em></p>
<p><em>&#8222;Na bitte, geht doch&#8220;, sagt Herr Miesmann befriedigt und kritzelt mit seinem gefürchteten Rotstift eine Bemerkung in sein noch gefürchteteres Vormerkbüchlein.</em></p>
<p>Tja, so oder so ähnlich kann man sich den Versuch vorstellen, 640 (Norm)seiten einer verzweigten Story in drei Seiten zu pressen.</p>
<p>Monatelang habe ich getüftelt und gefeilt, Dialoge, Konflikte, Gags, Schauplätze, Handlungen und Nebenhandlungen ausgearbeitet und feingeschliffen. Und jetzt muss ich das alles vergessen, denn es geht darum, einem Lektor in einer Zusammenfassung von wenigen Seiten Argumente dafür zu liefern, warum er die Geschichte kaufen soll. Der Insider hat es längst erkannt und der Unbedarfte aufgrund der Überschrift dieses Artikels messerscharf darauf geschlossen: Richtig, die Rede ist vom Exposé.</p>
<p>Ein Exposé ist gleichsam ein Verkaufsprospekt, ähnlich, als würde man versuchen, eine Eigentumswohnung zu verkaufen. Ein grober Abriss über Konzeption und Struktur des Textes, eine Liste mit Kurzbiografien der Figuren und ein auf das Wesentliche reduzierter Überblick über die Handlung, das ist es, was bei einem Exposé gefragt ist. Es geht nicht darum, die Blumigkeit und Elegantheit des Textes in die Zusammenfassung zu transportieren, sondern darum, einen Überblick darüber zu geben, was tatsächlich passiert und sich dabei auf die Kernaussagen zu beschränken.</p>
<p>Nicht minder knifflig ist die Liste mit den Personen. Personenliste? Kein Problem, mag man denken. Aber es geht nicht nur um eine reine Aufzählung, sondern (zumindest bei den Hauptfiguren) auch um die Frage, was treibt die Figuren eigentlich an? Was ist ihre Motivation und wie entwickeln sie sich im Lauf der Geschichte? Jetzt zahlt es sich aus, wenn man vorher beim Konzept gründlich gearbeitet hat und von all den Figuren ohnehin schon ausführliche Biografien vorliegen. Die muss man dann &#8222;nur noch&#8220; komprimieren und schon &#8230;</p>
<p>Ist alles nur Lehrbuchwissen, ich weiß. Ich habe auch keine Ahnung, ob ich ein guter Exposéschreiber bin, aber eines weiß ich: Es ist verdammt schwierig. Wenn sich ein Projekt seinem Ende nähert, muss man sich jedoch irgendwann damit auseinandersetzen, denn ist das Exposé nicht gut, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Lektor überhaupt mit der Leseprobe befasst, gegen Null. Es lohnt sich also allemal, in das Exposé genauso viel Mühe und Fleiß zu stecken, wie in den Romantext.</p>
<p>Ach ja, apropos Leseprobe. Dazu wollte ich ja laut Überschrift auch noch was sagen. Ach, mache ich beim nächsten Mal. Sonst wird der Artikel wieder so lang. &#8222;Kürzer!&#8220;, würde Lehrer Miesmann sagen &#8230; </p>
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			</item>
		<item>
		<title>zum guten Schluss</title>
		<link>https://www.dastapfereschreiberlein.de/2006/05/28/zum-guten-schluss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 May 2006 11:57:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zu welcher Art Ende-Mensch gehören Sie? Nein, nein, ich meine damit keine bevorzugte Suizidmethode und auch nicht, ob Sie sich ein Totenhemd mit oder ohne Rüschen wünschen oder auf was für einer Art Papier Ihr Testament gedruckt werden soll. Ich meine das mehr im Sinne von Ausklang: Verlängerung bis zum Abpfiff oder sudden death? Umdrehen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zu welcher Art Ende-Mensch gehören Sie? Nein, nein, ich meine damit keine bevorzugte Suizidmethode und auch nicht, ob Sie sich ein Totenhemd mit oder ohne Rüschen wünschen oder auf was für einer Art Papier Ihr Testament gedruckt werden soll. Ich meine das mehr im Sinne von <em>Ausklang</em>: Verlängerung bis zum Abpfiff oder sudden death? Umdrehen und einschlafen oder Nachspiel?</p>
<p>Wie so oft, lassen sich Menschen bei solchen Fragen in zwei Kategorien einteilen. Während die einen nach der Kinovorstellung, noch bevor das Licht angeht, aus den Sitzen springen und U-Bahn oder Taxistand zustreben, bleiben die anderen bis zur letzten Zeile des Abspanns hocken und diskutieren anschließend an der Bar beim gemeinsamen Bier die Leistungen der einzelnen Darsteller und die Qualität der Special Effects &#8230; Während die einen nach Abgabe ihrer Klausurarbeiten bis zur Rückgabe nichts mehr davon hören wollen, sprechen die anderen nach der Stunde gerne Punkt für Punkt die Aufgaben nochmal durch und vergleichen ihre Lösungen (so, wie es auch Hermine tun würde <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.0.3/72x72/1f600.png" alt="😀" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> ).</p>
<p>Genauso unterschiedlich sind die Gepflogenheiten oder Wünsche der Leute am Schluss einer Geschichte, egal, ob Buch oder Film.</p>
<p><span id="more-36"></span>Der direkte Typ wünscht es sich folgendermaßen: Der Mörder wird gefasst, ausblenden, Ende. Nächstes Buch.</p>
<p>So hätte man beispielsweise James Camerons &#8222;Titanic&#8220; auch wie folgt enden lassen können: Das Schiff ist gesunken; Rose überlebt auf dem Trümmerstück treibend; sie befreit sich aus dem kalten Griff des erfrorenen Jack, wird gerettet und lebt glücklich bis an das Ende ihrer Tage. Vorhang.</p>
<p>Doch Cameron hat ein anderes, ein erweitertes Ende gewählt: Er lässt die &#8222;Carpathia&#8220; mit den Überlebenden in New York ankommen, berichtet uns, was aus Cal Hockley geworden ist, zeigt uns in Rose&#8216; Kabine auf der &#8222;Keldysh&#8220; mit einem geschickten Kameraschwenk über die Fotos aus ihrem Leben, dass sie sich die mit Jack gesponnenen Träume erfüllt hat (Achterbahnfahren, Brandungsreiten usw.) und er lässt zu guter Letzt die greise Rose den dicken Diamanten zu Jack in die Fluten feuern &#8230;</p>
<p>Als Zuschauer verleiht mir das das gute Gefühl, die <em>ganze </em>Geschichte gesehen bzw. erzählt bekommen zu haben und damit ist auch schon klar, dass ich mich zum zweiten Ende-Typ zähle, nämlich zu dem, der zum guten Schluss eine gewisse&#8230; naja, <em>Chillout-Phase</em> schätzt: Der Zenit der Geschichte ist überschritten, der Mörder gefasst, aber man möchte bitteschön noch wissen, was aus dem Hund des Opfers geworden ist. Sprich: Alle Erzählstränge sollen in Ruhe zu Ende gebracht werden.</p>
<p>Am Schluss meiner eigenen Geschichte &#8222;Heinrich Töpfer &#8211; Bitte nicht rütteln&#8220; habe ich genau diesen Ansatz verfolgt, nach dem Finale die offenen Fragen geklärt und alle Fäden zu Ende gesponnen. Bis jetzt hatte dieses Schlusskapitel auch sämtlichen Überarbeitungen standgehalten und es gefiel mir so wie es war. Aber die letzte Überarbeitungsrunde stand unter dem Titel &#8222;<a title="interner Link: Kurz und knapp: Die Selbstkasteiung" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/2006/01/16/kurz-und-knapp-die-selbstkasteiung/">Kurz und knapp</a>&#8222;, erinnern Sie sich noch? Ich schrieb damals &#8222;Lasse alles Entbehrliche weg und sag das Notwendige nur einmal.&#8220;</p>
<p>Vor jeder Überarbeitung mache ich mir im Konzept einige Notizen, mit denen ich die Schwerpunkte festhalte, an denen sich der Überarbeitungsschritt orientieren soll oder ich halte ein paar Fragen fest, anhand derer der Text gecheckt wird. So auch dieses Mal. Zum Thema Tempo steht in meinen Arbeitsnotizen folgendes:</p>
<blockquote><p>Das Tempo der Geschichte wird rasanter, wenn der Einstieg in eine Szene direkt ist und (sich steigernde) Konflikte bietet.</p></blockquote>
<p>Und zum Thema Monologe (gemeint sind Betrachtungen aus der Gedankenwelt des Protagonisten):</p>
<blockquote><p>Monologe dürfen nicht zu lang werden oder zu sehr in philosophische Betrachtungen abschweifen und den Leser langweilen.</p></blockquote>
<p>Das sind nur zwei von vielen Stichpunkten, die mir für die fünfte Überarbeitung wichtig waren.</p>
<p>Um diese Notizen mit Leben zu füllen, nahm ich mir Kapitel für Kapitel des Manuskriptes vor, gliederte die Szenen und brachte Markierungen am Rand an. Eine spannende Stelle wurde mit einem &#8222;S&#8220; markiert. Eine Stelle, die Erwartungen schürt, mit einem &#8222;E&#8220; und eine Stelle, die einen Konflikt bietet, mit einem &#8222;K&#8220;. Keine Seite der Geschichte sollte am Ende ohne mindestens eine solche Markierung dastehen. Und das führte, in Bezug auf den von mir gewählten Schluss, zu einem Problem, denn zwischen dem Höhepunkt und dem definierten zeitlichen Endetermin liegen ca. zwei Monate Zeit, in denen nicht mehr wirklich viel passiert. Und was bedeutet das für meine Markierungen? Richtig. Über mehrere Seiten hinweg zierte meine Anmerkungen nicht die Spur eines &#8222;K&#8220; oder wenigstens eines &#8222;E&#8220; und erst recht keines &#8222;S&#8220;.</p>
<p>Folglich musste hier das Messer angesetzt werden, auch wenn&#8217;s schwer fiel. Die Krux liegt halt darin, möglichst zügig zum Ende zu kommen, um den Leser nicht zu langweilen, aber ihm dabei keine Informationen vorzuenthalten. Einiges an Inhalten konnte ich zeitlich vorverlagern, anderes musste aber tatsächlich wegfallen. Um manches tut es mir leid, um anderes weniger, aber wie ich (sinngemäß) <a title="interner Link: Kurz und knapp: Die Selbstkasteiung" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/2006/01/16/kurz-und-knapp-die-selbstkasteiung/">schon mal schrieb</a>:</p>
<blockquote><p>Eine Szene darf ihre Daseinsberechtigung nicht nur aus der Tatsache ableiten, dass sie hübsch ist oder einen originellen Einfall enthält. Eine Infomation, die nicht tatsächlich wichtig ist, ist entbehrlich.</p></blockquote>
<p>Und so habe ich ja wenigstens ein paar gelöschte Anekdötchen, mit der ich die Wiederaufnahme des Fadens bei einer (möglichen) Fortsetzungsgeschichte anreichern kann. <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.0.3/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> </p>
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		<title>Ein erstes Konzept entsteht</title>
		<link>https://www.dastapfereschreiberlein.de/2005/03/08/ein-erstes-konzept-entsteht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Mar 2005 11:41:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[einfach alles]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
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		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
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		<category><![CDATA[Rohfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
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		<category><![CDATA[Textverarbeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Konzept zum ersten Heinrich Töpfer Band entstand mehr oder weniger aus der Luft. Zunächst war mir die Tatsache, dass ich gerade ein Konzept erstellte, gar nicht klar. Der grundsätzliche Handlungsablauf war in meinem Kopf entstanden. Ebenso wie einige Ankerpunkte, die Wendungen in der Geschichte beinhalteten. Ich hatte mir ein Flipchart gekauft, um auf großen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Konzept zum ersten Heinrich Töpfer Band entstand mehr oder weniger aus der Luft. Zunächst war mir die Tatsache, dass ich gerade ein Konzept erstellte, gar nicht klar. Der grundsätzliche Handlungsablauf war in meinem Kopf entstanden. Ebenso wie einige Ankerpunkte, die Wendungen in der Geschichte beinhalteten.</p>
<p>Ich hatte mir ein Flipchart gekauft, um auf großen Papierbogen übersichtlich einige Abläufe skizzieren zu können und Ideen festzuhalten. An der Wand hingen einige weitere Papierbogen, auf denen ich mit Pappkarten eine Art Storyline entwarf. Das Wohnzimmer wurde mit einer Unmenge Notizzetteln geflutet.</p>
<p>Schon bald erkannte ich die Notwendigkeit, die vielen Notizen, Entwürfe und Ideen zentral zu sammeln und &#8211; voilà, das Grundgerüst eines Konzeptes entstand. In einem Worddokument fasste ich alles bisher Entstandene zusammen.</p>
<p>Dann machte ich mir Gedanken über die Charaktere. Wer, abgesehen von Heinrich Töpfer, sollte in der Geschichte eine Rolle spielen? Was für Figuren würde ich brauchen, um meinem Hauptcharakter bei seinen Erlebnissen zur Seite zu stehen? Und, fast noch wichtiger: Welche Figuren würde ich brauchen, um ihm bei der Lösung seiner Probleme <em>hinderlich</em> zu sein? Welche Figuren der Vorlage (&#8222;Harry Potter und der Stein der Weisen&#8220;) waren in parodierter Form geeignet, meine Anforderungen zu erfüllen und welche waren entbehrlich?</p>
<p>In einer Art Thesaurus erstellte ich parodierte Entsprechungen zu allen möglichen Personen, Orten, Begebenheiten und Eigennamen aus der Original-Vorlage. Auch eine gründliche Analyse und Zusammenfassung der Handlungsschwerpunkte des Originals war fällig.</p>
<p>Schließlich entstand aus der groben Storyline ein erster Handlungsentwurf, der bereits eine Kapitelgliederung, eine Zeitschiene, Angaben über Spannungselemente und den Verlauf des zentralen Konflikts enthielt. Die Vorstufe zur Rohfassung! </p>
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