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	<title>Tempo Archive - Das tapfere Schreiberlein</title>
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	<title>Tempo Archive - Das tapfere Schreiberlein</title>
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		<title>zum guten Schluss</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 May 2006 11:57:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zu welcher Art Ende-Mensch gehören Sie? Nein, nein, ich meine damit keine bevorzugte Suizidmethode und auch nicht, ob Sie sich ein Totenhemd mit oder ohne Rüschen wünschen oder auf was für einer Art Papier Ihr Testament gedruckt werden soll. Ich meine das mehr im Sinne von Ausklang: Verlängerung bis zum Abpfiff oder sudden death? Umdrehen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zu welcher Art Ende-Mensch gehören Sie? Nein, nein, ich meine damit keine bevorzugte Suizidmethode und auch nicht, ob Sie sich ein Totenhemd mit oder ohne Rüschen wünschen oder auf was für einer Art Papier Ihr Testament gedruckt werden soll. Ich meine das mehr im Sinne von <em>Ausklang</em>: Verlängerung bis zum Abpfiff oder sudden death? Umdrehen und einschlafen oder Nachspiel?</p>
<p>Wie so oft, lassen sich Menschen bei solchen Fragen in zwei Kategorien einteilen. Während die einen nach der Kinovorstellung, noch bevor das Licht angeht, aus den Sitzen springen und U-Bahn oder Taxistand zustreben, bleiben die anderen bis zur letzten Zeile des Abspanns hocken und diskutieren anschließend an der Bar beim gemeinsamen Bier die Leistungen der einzelnen Darsteller und die Qualität der Special Effects &#8230; Während die einen nach Abgabe ihrer Klausurarbeiten bis zur Rückgabe nichts mehr davon hören wollen, sprechen die anderen nach der Stunde gerne Punkt für Punkt die Aufgaben nochmal durch und vergleichen ihre Lösungen (so, wie es auch Hermine tun würde <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.0.3/72x72/1f600.png" alt="😀" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> ).</p>
<p>Genauso unterschiedlich sind die Gepflogenheiten oder Wünsche der Leute am Schluss einer Geschichte, egal, ob Buch oder Film.</p>
<p><span id="more-36"></span>Der direkte Typ wünscht es sich folgendermaßen: Der Mörder wird gefasst, ausblenden, Ende. Nächstes Buch.</p>
<p>So hätte man beispielsweise James Camerons &#8222;Titanic&#8220; auch wie folgt enden lassen können: Das Schiff ist gesunken; Rose überlebt auf dem Trümmerstück treibend; sie befreit sich aus dem kalten Griff des erfrorenen Jack, wird gerettet und lebt glücklich bis an das Ende ihrer Tage. Vorhang.</p>
<p>Doch Cameron hat ein anderes, ein erweitertes Ende gewählt: Er lässt die &#8222;Carpathia&#8220; mit den Überlebenden in New York ankommen, berichtet uns, was aus Cal Hockley geworden ist, zeigt uns in Rose&#8216; Kabine auf der &#8222;Keldysh&#8220; mit einem geschickten Kameraschwenk über die Fotos aus ihrem Leben, dass sie sich die mit Jack gesponnenen Träume erfüllt hat (Achterbahnfahren, Brandungsreiten usw.) und er lässt zu guter Letzt die greise Rose den dicken Diamanten zu Jack in die Fluten feuern &#8230;</p>
<p>Als Zuschauer verleiht mir das das gute Gefühl, die <em>ganze </em>Geschichte gesehen bzw. erzählt bekommen zu haben und damit ist auch schon klar, dass ich mich zum zweiten Ende-Typ zähle, nämlich zu dem, der zum guten Schluss eine gewisse&#8230; naja, <em>Chillout-Phase</em> schätzt: Der Zenit der Geschichte ist überschritten, der Mörder gefasst, aber man möchte bitteschön noch wissen, was aus dem Hund des Opfers geworden ist. Sprich: Alle Erzählstränge sollen in Ruhe zu Ende gebracht werden.</p>
<p>Am Schluss meiner eigenen Geschichte &#8222;Heinrich Töpfer &#8211; Bitte nicht rütteln&#8220; habe ich genau diesen Ansatz verfolgt, nach dem Finale die offenen Fragen geklärt und alle Fäden zu Ende gesponnen. Bis jetzt hatte dieses Schlusskapitel auch sämtlichen Überarbeitungen standgehalten und es gefiel mir so wie es war. Aber die letzte Überarbeitungsrunde stand unter dem Titel &#8222;<a title="interner Link: Kurz und knapp: Die Selbstkasteiung" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/2006/01/16/kurz-und-knapp-die-selbstkasteiung/">Kurz und knapp</a>&#8222;, erinnern Sie sich noch? Ich schrieb damals &#8222;Lasse alles Entbehrliche weg und sag das Notwendige nur einmal.&#8220;</p>
<p>Vor jeder Überarbeitung mache ich mir im Konzept einige Notizen, mit denen ich die Schwerpunkte festhalte, an denen sich der Überarbeitungsschritt orientieren soll oder ich halte ein paar Fragen fest, anhand derer der Text gecheckt wird. So auch dieses Mal. Zum Thema Tempo steht in meinen Arbeitsnotizen folgendes:</p>
<blockquote><p>Das Tempo der Geschichte wird rasanter, wenn der Einstieg in eine Szene direkt ist und (sich steigernde) Konflikte bietet.</p></blockquote>
<p>Und zum Thema Monologe (gemeint sind Betrachtungen aus der Gedankenwelt des Protagonisten):</p>
<blockquote><p>Monologe dürfen nicht zu lang werden oder zu sehr in philosophische Betrachtungen abschweifen und den Leser langweilen.</p></blockquote>
<p>Das sind nur zwei von vielen Stichpunkten, die mir für die fünfte Überarbeitung wichtig waren.</p>
<p>Um diese Notizen mit Leben zu füllen, nahm ich mir Kapitel für Kapitel des Manuskriptes vor, gliederte die Szenen und brachte Markierungen am Rand an. Eine spannende Stelle wurde mit einem &#8222;S&#8220; markiert. Eine Stelle, die Erwartungen schürt, mit einem &#8222;E&#8220; und eine Stelle, die einen Konflikt bietet, mit einem &#8222;K&#8220;. Keine Seite der Geschichte sollte am Ende ohne mindestens eine solche Markierung dastehen. Und das führte, in Bezug auf den von mir gewählten Schluss, zu einem Problem, denn zwischen dem Höhepunkt und dem definierten zeitlichen Endetermin liegen ca. zwei Monate Zeit, in denen nicht mehr wirklich viel passiert. Und was bedeutet das für meine Markierungen? Richtig. Über mehrere Seiten hinweg zierte meine Anmerkungen nicht die Spur eines &#8222;K&#8220; oder wenigstens eines &#8222;E&#8220; und erst recht keines &#8222;S&#8220;.</p>
<p>Folglich musste hier das Messer angesetzt werden, auch wenn&#8217;s schwer fiel. Die Krux liegt halt darin, möglichst zügig zum Ende zu kommen, um den Leser nicht zu langweilen, aber ihm dabei keine Informationen vorzuenthalten. Einiges an Inhalten konnte ich zeitlich vorverlagern, anderes musste aber tatsächlich wegfallen. Um manches tut es mir leid, um anderes weniger, aber wie ich (sinngemäß) <a title="interner Link: Kurz und knapp: Die Selbstkasteiung" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/2006/01/16/kurz-und-knapp-die-selbstkasteiung/">schon mal schrieb</a>:</p>
<blockquote><p>Eine Szene darf ihre Daseinsberechtigung nicht nur aus der Tatsache ableiten, dass sie hübsch ist oder einen originellen Einfall enthält. Eine Infomation, die nicht tatsächlich wichtig ist, ist entbehrlich.</p></blockquote>
<p>Und so habe ich ja wenigstens ein paar gelöschte Anekdötchen, mit der ich die Wiederaufnahme des Fadens bei einer (möglichen) Fortsetzungsgeschichte anreichern kann. <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.0.3/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> </p>
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		<title>Kurz und knapp: Die Selbstkasteiung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2006 09:28:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der nächste Überarbeitungszyklus steht an (ich glaube, es ist der fünfte, oder?). Nachdem die Geschichte jetzt vollständig ist, alle Charaktere vernünftig eingeführt sind, alle Szenen beschrieben und alle Schauplätze vorgestellt, könnte man, übertragen auf das Drehen eines Films sagen: Die Sache ist im Kasten. Und was folgt beim Film, wenn die Story abgedreht ist? Richtig: [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der nächste Überarbeitungszyklus steht an (ich glaube, es ist der fünfte, oder?). Nachdem die Geschichte jetzt vollständig ist, alle Charaktere vernünftig eingeführt sind, alle Szenen beschrieben und alle Schauplätze vorgestellt, könnte man, übertragen auf das Drehen eines Films sagen: Die Sache ist im Kasten.</p>
<p>Und was folgt beim Film, wenn die Story abgedreht ist? Richtig: Der Schnitt! Wenn man sich auf Film-DVDs die sogenannten &#8222;deleted Scenes&#8220; anschaut, fragt man sich manchmal, warum ist diese oder jene rausgeschnittene Szene nicht im fertigen Film gelandet? Schaut (oder hört) man sich die Kommentare des Regisseurs dazu an, fallen solche Sätze wie: <em>&#8222;Ich habe diese Szene sehr gemocht. Wir haben sie trotzdem rausgeschnitten, weil sie an dieser Stelle das Tempo zu sehr verschleppt hätte.&#8220;</em> oder <em>&#8222;Oh, ich habe es gehasst, diese Szene rauswerfen zu müssen, aber wir hätten zu viel über die Story verraten, wenn wir sie drin gelassen hätten.&#8220;</em> Und so weiter und so weiter. Es gibt mannigfaltige Gründe, warum Szenen eines Films, obwohl sie für sich betrachtet gut sind, es nicht bis ins Kino schaffen.</p>
<p><span id="more-271"></span>Bei Manuskripten ist das ganz ähnlich und genau vor diesem Bearbeitungsschritt stehe ich gerade. Jede Szene, jede Beschreibung eines &#8222;Bühnenbilds&#8220;, jeder innere Monolog und jeder Dialog stehen auf dem Prüfstand.</p>
<p>Da ist zum einen die Frage des Tempos: Ist die Sprache kurz und knapp oder wird das Tempo unnötig verschleppt? Ist der Einstieg in die Szene direkt genug oder halte ich mich zu lange mit Vorreden auf?</p>
<p>Dann die Frage des Inhalts: Hat die Szene für den Fortgang der Geschichte eine Relevanz oder existiert sie nur, weil sie hübsch ist oder einen originellen Einfall enthält? In Bezug auf einen Dialog heißt das: Enthält der Dialog einen Konflikt oder wird nur herumgelabert?</p>
<p>Weiter ist zu prüfen, ob dem Leser Schlussfolgerungen aufgedrängt werden, die dieser leicht selbst ziehen kann. Wirkt der Text dadurch altklug oder gar belehrend? Und so weiter und so weiter. Kurzum: Jede einzelne Szene des Textes wird gecheckt.</p>
<p>Aber was für Szenen gilt, trifft gleichermaßen auf jede einzelne Zeile innerhalb einer Szene zu. Grundsätzlich gilt: Lasse alles Entbehrliche weg und sage das Notwendige nur einmal. </p>
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		<title>Geduld</title>
		<link>https://www.dastapfereschreiberlein.de/2005/12/06/geduld/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Detlef Köhne]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2005 19:42:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[einfach alles]]></category>
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		<category><![CDATA[Fortsetzung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einst war ich in dem Irrtum befangen, ich könne ein Manuskript in dem Umfang, wie es jetzt vor mir liegt, in einem Zeitraum von sechs bis neun Monaten fertigstellen (fertig natürlich versehen mit allen möglichen Konjunktiven). Leichtsinnigerweise erzählte ich daraufhin einigen Leuten, naja, zu früh davon und versprach außerdem, den Text zu gegebener Zeit zum [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Einst war ich in dem Irrtum befangen, ich könne ein Manuskript in dem Umfang, wie es jetzt vor mir liegt, in einem Zeitraum von sechs bis neun Monaten fertigstellen (<em>fertig </em>natürlich versehen mit allen möglichen Konjunktiven). Leichtsinnigerweise erzählte ich daraufhin einigen Leuten, naja, zu früh davon und versprach außerdem, den Text zu gegebener Zeit zum Probelesen rauszurücken. Was ich nicht bedacht hatte, war zum Einen, wie lange ich tatsächlich noch brauchen würde und zum anderen, mit welcher Ungeduld und Hartnäckigkeit mir die Leute in Ohren liegen würden, ich möge doch bitte endlich in die Kontakte kommen. <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.0.3/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>
<p>Ja, einer meiner lieben Freunde muss sogar einen guten Draht zum ›Guess What‹, dem Sprachorgan der Magier haben, denn gestern stattete mir ein Journalist des ›Guess‹ einen Besuch ab.</p>
<p>Lesen Sie, was dabei herauskam&#8230;</p>
<blockquote>
<table width="100%">
<tbody>
<tr>
<td>Dave:</td>
<td>&#8222;Oh, hallo Alex. Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td>Alex:</td>
<td>(verblüfft) &#8222;Sie kennen mich?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Na klar, Alex. Ich habe neulich mit großem Interesse Ihr Interview mit Puffie gelesen.&#8220; <cite><small>(</small></cite><cite><small>siehe <a title="interner Link: Die Evolution eines Namens" href="http://www.dastapfereschreiberlein.de/2005/09/24/die-evolution-eines-namens/">Die Evolution eines Namens</a>, Anm. d. Red.)</small></cite></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Oh, freut mich. Ich hoffe, es ist nichts Falsches rübergekommen&#8230;&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Nein nein, war alles in Ordnung so weit. Also: Was gibt&#8217;s heute?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Tja, Herr K&#8230;&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Dave.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Gut, denn, Dave&#8230; Ich bin von ein paar Leuten angesprochen worden, die sich fragen&#8230; und die mich fragen, wie lange es denn noch so dauert, bis Sie&#8230; und bis sie&#8230;&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">(lacht) &#8222;Ist nicht Ihr Ernst, oder? Sie lassen sich auch für alles vor den Karren spannen, was? Ich hol uns erstmal was zu trinken. Könnte ja länger dauern. Kaffee, Scotch, Bier?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Ich, äh, Kaffee wäre nett.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Schließe mich an. Augenblick, bin gleich wieder da&#8230;&#8220;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p><span id="more-28"></span></p>
<blockquote>
<table>
<tbody>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;So&#8230; bitte. Milch? Zucker?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Danke. Etwas Milch, bitte.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Okay, dann sehen wir mal, was ich für Sie tun kann. Schießen Sie los.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Tja, Dave. Ihre Testleser fragen sich in der Tat, wie lange es denn tatsächlich noch dauern wird, bis etwas Lesbares in ihre Hände fällt oder vielleicht unter dem Weihnachtsbaum liegt. Das ist Ihnen ja sicherlich nichts Neues.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Nein, das ist es tatsächlich nicht. Ich kann auch nur immer wiederholen, was ich schon häufig gesagt habe: Es dauert so lange, wie es dauert. Versichern kann ich, dass es garantiert länger als bis Weihnachten dauert. Ich habe selbst nicht damit gerechnet, dass sich das Projekt so lange hinziehen würde, sonst hätte ich vermutlich noch ein wenig gewartet, bis ich überhaupt anfange, davon zu erzählen. Ich kann die Ungeduld durchaus verstehen. Ich bin ja selbst ungeduldig.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Wie das&#8230;?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Ja. Ich meine natürlich nicht in Bezug darauf, wie es ausgeht. (lacht) Aber ich würde auch gern fertig werden und mit dem nächsten Projekt loslegen. Dauernd schwirren mir schon Gedanken über eine neue Geschichte durch den Kopf. Sich da auf das laufende Projekt zu konzentrieren ist nicht immer ganz einfach.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Es gibt also schon Ideen für eine weitere Geschichte?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Gewiss.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Eine Fortsetzung aus dem gleichen Universum oder eine gänzlich neue Geschichte?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">(grinst vielsagend)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Wenn Sie selbst so versessen darauf sind, das Projekt abzuschließen, warum, naja, geben Sie dann nicht ein wenig mehr Gas?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Ich wünschte, das wäre so einfach. Ob Sie&#8217;s glauben oder nicht, aber ich arbeite fast jeden Tag an dem Text. Was ich absolut unterschätzt habe, ist der tatsächliche Aufwand, der dahinter steckt. Sehen Sie als Beispiel mal den nächsten Überarbeitungszyklus an: Es wird der insgesamt fünfte. Ich beschäftige mich dann mit Fragen des Tempos, Aufbau einzelner Szenen, Spannung in den Dialogen und so weiter. Ein Kapitel zunächst auf die Notwendigkeit von Änderungen zu checken kostet mich eine Netto-Bearbeitungszeit von mindestens einer Stunde. Es nach der Überarbeitung nochmals zu konsolidieren, eine weitere Stunde. Für die eigentliche Überarbeitung gehen ca. drei bis vier Stunden drauf. Macht zusammen sechs Stunden. Das alles sind Nettozeiten. Und es sind Mindestzeiten, die auch locker doppelt so lang werden können. An Tagen, an denen ich auch noch ehrlicher Arbeit nachgehen muss, komme ich maximal drei Stunden zum Schreiben. Das bedeutet zwei Tage Arbeit pro Kapitel. Mindestens. Neunundzwanzig Kapitel sind es; macht minimum zwei Monate für einen Überarbeitungszyklus. Voilà.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Aber müssen Sie nicht irgendwann einfach mal zu einem Ende kommen? Ich meine, wenn Sie immer wieder neue Überarbeitungszyklen draufsetzen, lässt sich das ja endlos fortsetzen.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Das Argument ist mir nicht neu. Glauben Sie mir: Ich wünschte auch, es ginge schneller. Geduld ist keine meiner Tugenden. Ich stelle halt nur fest, wann immer ich eine Runde beendet habe, dass ich noch nicht so weit bin und das einfach noch etwas fehlt. Wenn ich irgendwann einmal die erforderliche Routine habe, werde ich das gewiss auch in weniger Überarbeitungszyklen und in kürzerer Zeit hinkriegen, aber bezogen auf dieses Projekt erwies sich meine Annahme von Anfang an als illusorisch. Und ich weigere mich einfach, eine halbfertige Sache aus der Hand zu geben.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Warum?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Wie soll ich von einem Testleser erwarten, dass er meiner Geschichte folgen kann, wenn sie inhaltlich einfach nicht vollständig ist? Bei der letzten Überarbeitung sind noch Charaktere eingeführt worden, die es vorher überhaupt nicht gab; die einfach plötzlich da sind, ohne das je erklärt wurde, wo sie herkamen. Ich erinnere da an Ludwig.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Die Entsprechung der Eule Hedwig aus den Harry Potter-Büchern?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Richtig. Er spielt eine wichtige Rolle, die ich mir aber erst vor ein paar Wochen ausgedacht habe. An der Stelle, wo ich ihn brauchte, um eine Lücke in der Handlung zu schließen habe ich ihn eingebaut, aber wie er überhaupt seinen Weg zu Heinrich findet, war noch nirgends erklärt. Und das ist nur ein Beispiel. Ich verspreche mir ja etwas von meinen Testlesern. Ich will wissen, ob der Text als Geschichte bestehen kann. Ob er ein Ganzes ergibt und die Figuren, Schauplätze und Handlungen im Kopf eines Lesers funktionieren. Wie kann aber ein Text im Kopf eines Testlesers eine Einheit bilden, wenn er selbst in meinen Augen, und ich habe die Geschichte allgegenwärtig im Kopf, noch nicht vollständig ist?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Wenn Sie Ihren Testlesern früher Einsicht in Ihren Text gäben&#8230;&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">(lacht) &#8222;Ja, ich weiß, was jetzt kommt. Dann könnten sie mir natürlich auch viel eher Hinweise geben, wo es noch hakt. Klar, ab einem bestimmten Stadium trifft das zu. Das wird auch der Zeitpunkt sein, an dem ich den Text rausgeben werde. Dieser Zeitpunkt kann aber erst dann gegeben sein, wenn ich selber keine Verbesserungen mehr anbringen kann. Ich bringe an dieser Stelle gerne das Beispiel mit dem Protokoll, das jemand über eine Sitzung schreiben und seinem Chef vorlegen soll. Oder, noch besser: Ein Artikel für Ihre Zeitung. Stellen Sie sich vor, Sie sollen für Ihren Chef einen Artikel schreiben. Sie recherchieren, machen einen Entwurf und überarbeiten ihn. Zu welchem Zeitpunkt würden Sie ihn Ihrem Chef geben?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Nun&#8230;, wenn er fertig ist. Also, aus meiner Sicht fertig ist.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Richtig. Sie liefern Ihrem Chef keine halbfertige Arbeit ab, damit er den Rest macht, sondern Sie erledigen Ihren Job erstmal, so gut Sie können. Und erst, wenn aus Ihrer Sicht alles getan ist, geben Sie den Text frei. Genau so mache ich das auch.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Gut, das klingt soweit logisch. Wie geht&#8217;s weiter?&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Es wird nicht mehr sooo lange dauern. Die erste Leseversion wird gedruckt, wenn alle inhaltlichen Dinge erledigt sind. Das heißt, noch bevor die letzten sprachlichen Feinheiten zurechtgeschliffen werden. Ich zwinge mich auch selbst dazu, jetzt nicht ungeduldig zu werden. Ungeduld führt zu schludriger Arbeit. Gerade beim Finish einer Geschichte wäre das tödlich.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Nun, Dave, das ist sicherlich vernünftig. Ich hoffe, meine Leser werden sich damit zufrieden geben.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Es wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, oder?&#8220; (grinst)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Stimmt. Dave, ich danke Ihnen für das Gespräch.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Dave:</td>
<td valign="top">&#8222;Keine Ursache. Ich halte Sie auf dem Laufenden. Bis demnächst.&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">Alex:</td>
<td valign="top">&#8222;Bis demnächst. Und danke für den Kaffee.&#8220;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</blockquote>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de/2005/12/06/geduld/">Geduld</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.dastapfereschreiberlein.de">Das tapfere Schreiberlein</a>.</p>
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