Tag Archives: Quellen

Kampf den Füll- und Flickwörtern

Ein bisschen Kultur hat noch keinem geschadet

Getreu dieses Mottos besuchte ich Mittwoch Abend mit Freunden eine recht inspirierende literarische Veranstaltung in der Kulturkirche in Köln-Nippes. Frank Schätzing, in erster Linie bekannt geworden durch den Thriller “Der Schwarm”, stellte das Hörspiel zu seinem Mittelalterkrimi “Tod und Teufel” vor. Während Frank Schätzing über die Tücken bei der Herstellung eines Hörspiels sprach, kam er auf ein Dilemma zu sprechen, dem man unweigerlich bei der Vertonung solch umfangreicher Texte, wie es “Tod und Teufel” nun einmal ist, gegenüber steht: Wie bringt man den Text auf einer überschaubaren Menge Tonträger unter? Jeder, der schon mal einen längeren Text laut vorgelesen hat, sei es zu Hause am Bett der Kinder oder auch bei der Produktion eines Podcasts, wird die Erfahrung bereits gemacht haben: Es dauert erheblich länger, eine Buchseite vorzutragen, als sie nur für sich im Stillen zu lesen. Folglich nehmen Hörbuchproduktionen schnell biblische Ausmaße an: “Harry Potter und der Stein der Weisen”: 9 CDs; “Der Schwarm”: 10 CDs; “Der Herr der Ringe – Die Gefährten”: 16 CDs; “Harry Potter und der Orden des Phönix”: 26 CDs. So hoch diese Zahlen auch klingen, sie wären weit höher, würde mit den Texten nicht etwas getan, wovor es den Autor graust und was Frank Schätzing bei seiner Hörspielvorstellung “das böse K-Wort” nannte: Kürzen!

Schätzing machte in dem Zusammenhang eine interessante Rechnung auf: Wenn man sämtliche Inquit-Formeln wegkürzt (Inquit-Fromeln = sog. Redezusätze, also solche Dinge wie “er sagte”, “sie sagte”, “antwortete er”, “rief sie” usw.), kommt man bei einem 500-Seiten-Manuskript schnell auf eine Ersparnis von zwölf Seiten. Klingt wenig, läppert sich aber zusammen. Nun ist es bei einem Buchmanuskript etwas problematisch, einfach auf die Inquit-Formeln zu verzichten. Spätesten bei längeren Dialogen oder Dialogen mit mehr als zwei Beteiligten verlöre man als Leser sehr schnell den Überblick, wenn man nicht ab und zu erinnert wird, wer was zu wem sagt; zumal viele dieser Formeln beim geschriebenen Wort dazu dienen, zu schildern wie etwas gesagt wird: resigniert, schrill, hysterisch, leise, heiser, provokant, ruhig, nervös, gehaucht, lasziv, barsch, schroff usw.

Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ach ja: Kürzen. ;)

Continue reading

3 Comments

Filed under einfach alles, schreiben

Vokuhila Oliba

Vokuhila – Eins der größten Verbrechen, das je am menschlichen Haupthaar begangen wurde (Markus Kavkas, MTV, in der ersten Folge der 80er-Show “25 years on MTV”)

In welche Ära fiel eigentlich der unsägliche Vokuhila-Oliba-Trend? Diese Frage trieb mich um, als ich neulich im World Wide Web stöberte. Gut, wie es im Web häufig so ist, findet man nicht unbedingt die Information, die man sucht, dafür aber eine Menge anderen Kram.

Einen sehr schönen Text zum Thema fand ich im Prolo-Glossar auf heise.de. Zitat:

Vokuhila-Oliba – Fast schon ein Klassiker. Das Akronym leitet sich aus dem Auftrag an seine Friseuse ab: “Vorne kurz, hinten lang”. Der Oberlippenbart ist ebenso ein Charakteristikum dieses in der Regel eher einfacher strukturierten Mitmenschen, der sich im Aussehen und Auftreten an regionalen Fußballgrößen der späten siebziger Jahre orientiert. Für jeden Millimeter, den der “Oliba” unter die Mundwinkel heruntergezogen ist, lassen sich vom 90er IQ bedenkenlos weitere 5 Punkte abziehen. Trägt oft Schnellf*ckerstiefel, die es in großer Auswahl im Spezialgeschäft für geistige Kleingärtner, dem sog. “Western-Store”, gibt.

Zitat Ende. Ein Hammer! Ich wusste gar nicht, dass der Heise-Verlag sich derart blumig mit Detailfragen mitteleuropäischer Haupthaarmode beschäftigt. Übrigens sind auch die anderen im Prolo-Glossar erklärten Kürzel durchaus lesenswert.

Ein sehr schönes Fundstück ist auch die Bildergalerie auf http://www.hairweb.de/frisuren-vokuhila.htm. Empfohlen sei ein Blick auf die peinlichsten Promi-Frisuren.

Den Vogel abgeschossen hat aber zweifellos die “Hall of Scheitel” auf www.fiese-scheitel.de mit dem Spendenaufruf: “Schickt Scheitel!” Boah, ey! Mein absoluter Favorit ist John Kincade. Dazu gehört schon was, so rumzulaufen. Und der hat damit sogar Geld verdient! Respekt!

Ach, bevor ich’s vergesse: Meine Information habe ich auch gefunden. Laut Wikipedia war der Vokuhila-Trend vor allem in den 70er, 80er und zu Beginn der 90er Jahre populär und ist bis heute nicht ganz ausgerottet … In den südlicheren Gefilden ist der Zusatz für den Teil-Gesichtsteppich übrigens nicht “Oliba” sondern “Mischna” (mit Schnauzer). Klingt aber genauso bescheuert und sieht auch nicht besser aus … Und ich verweise nicht ohne Stolz darauf, mich dieser “Mode” niemals selbst unterworfen zu haben!

Leave a Comment

Filed under einfach alles, recherchieren

Glanzbildchen und Babynahrung

Es ist ja beileibe nicht so, dass man nur beim Schreiben von Sachbüchern etwas zu recherchieren hätte. Was habe ich nicht schon alles nachgeschlagen: Wie ist der lateinische Name der Wildkirsche? Was frisst der Gemeine Feldhamster? Seit wann wird die Mercedes A-Klasse gebaut?

Das Internet erspart einem dabei Gottseidank manches peinliche persönliche Gespräch über das ein oder andere Wissensgebiet, in dem man nicht so zu Hause ist. Manchmal übersteigt aber selbst die Internetrecherche haarscharf die Grenze des Zumutbaren.

Heute war ich auf der Suche nach Glanzbildchen. Jawohl: Glanzbildchen. Sie wissen schon: Diese Dinger mit den schreckenerregenden Motiven von Engelchen, Schmusekätzchen und Blümchen, die man in Poesiealben klebt. Grausig, auf was für Seiten man dabei stößt! Motive, die man nicht mehr gesehen und erfolgreich verdrängt hat, seit einen vor zig Jahren die eigene Schwester genötigt hat, sich mit derlei zu beschäftigen (Sorry, Schwesterchen ;) ).

Auch im Zusammenhang mit meinen Vornamensrecherchen habe ich manches Trauma erlebt (siehe auch Heinrich vs. Harald). Für mein Eröffnungskapitel, das ich nochmal neu schreiben will, steht mir außerdem gelegentlich ein Besuch auf der Seite von Hipp-Babynahrung oder etwas Ähnliches bevor. Oder kann mir jemand von Ihnen sagen, was Kinder im Alter von ungefähr einem bis eineinhalb Jahren so essen und ob es da aus dem Hause Hipp ein paar richtig eklige Breichen gibt?

*seufz* Die Schreiberei ist bisweilen schon ein anstrengendes Geschäft… :D

Leave a Comment

Filed under einfach alles, recherchieren, schreiben

Heinrich vs. Harald

“Es heißt nicht Heinrich, sondern Harald Töpfer.” Mehr oder weniger nachdrücklich höre ich diesen Satz, seit Freunde von mir und ich bei Unterhaltungen über Harry Potter erstmals den Namen Heinrich Töpfer in den Mund nahmen. In der Tat besteht alles andere als Einigkeit, was die richtige Übersetzung des Namens Harry Potter angeht.

Unabhängig davon, dass mir die Kombination Heinrich Töpfer einfach besser gefällt und dass sie sprachlich besser klingt als Harald Töpfer, lassen sich auch echte Argumente für die eine oder die andere Fraktion finden. Stöbern wir in den Winkeln des World Wide Web und gehen gemeinsam auf Recherche…

Continue reading

4 Comments

Filed under einfach alles, recherchieren, schreiben