Romane und Thriller schreiben (1) – Das Talent sitzt nicht im Kopf, sondern im Arsch

“…, denn wenn du nicht sitzen kannst, kannst du auch nicht schreiben”, so die Worte Paul Schusters, eines 2004 verstorbenen deutschen Schriftstellers und Leiters diverser Schreibwerkstätten, in Verdeutlichung eines ursprünglich von Honoré de Balzac getätigten Ausspruchs. Da ist was dran! Wer einen Roman schreiben möchte, braucht in erster Linie Fleiß, Sitzfleisch und Durchhaltevermögen. Zum Schreiben selbst ist darüber hinaus nicht viel an Rüstzeug erforderlich. Talent wird allgemein überbewertet, Stil und Sprachgefühl lassen sich lernen, die Plots liegen auf der Straße, an Handwerkszeug braucht man nicht mehr als Papier und einen Stift, eine Schreibmaschine oder, wer’s etwas zeitgemäßer mag, einen Computer mit Textverarbeitungsprogramm und einen Drucker.

Ein unverzichtbares Utensil ist ein Notizbuch, das Sie immer bei sich haben. Haben Sie eine unverbrauchte Metapher aufgeschnappt? Einen flotten Spruch eines Kollegen? Eine interessante Anekdote aus dem Urlaub des Nachbarn? Ist Ihnen an einer Person an der Bushaltestelle oder in der Warteschlange an der Supermarktkasse etwas Besonderes aufgefallen? Schleicht Ihnen eine zwar unausgegorene, aber vielleicht ausbaubare Idee durchs Gehirn? Notizbuch raus, aufschreiben! Sie erhalten so im Lauf der Zeit einen nahezu unerschöpflichen Fundus an brauchbaren und unbrauchbaren Kritzeleien, die Ihnen niemals ausgehen werden. Das Leben schreibt die besten Geschichten!

Tipp 1: Gewöhnen Sie sich an, stets ein Notizbuch und einen Stift bei sich zu tragen. Notieren Sie Ideen, Beobachtungen, Anekdoten, Sprüche …

Darüber hinaus hilft die Erkenntnis, dass das Romane schreiben eine zwar befriedigende aber anstrengende Art und Weise ist, seine Freizeit zu verbringen, und dass die Aussicht auf zählbaren Erfolg (gemeint ist, eine Verlagsveröffentlichung) äußerst gering ist. Aber hier soll es zunächst nur um das Schreiben gehen, nicht um das Veröffentlichen. Letzteres ist eine ganz eigene Disziplin. Schon wenn Sie es geschafft haben, das Wort “Ende” unter eine Geschichte zu setzen, die Sie mit einem eigenen Plot selbst entworfen haben, dürfen Sie sich mit Fug und Recht Schriftsteller nennen. Und das ist ein schöner und vorzeigbarer Erfolg! Doch der Weg dorthin ist lang.

Machen Sie sich also an die Arbeit!

 

Vorschau – Beim nächsten Mal: “Woher kommt der Plot?”

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Wer ist der wahre Vater von Harry Potter

Schon lustig. Jedesmal, wenn im Fernsehen ein Harry-Potter-Film läuft, explodieren in meinem Blog die Besucherzahlen. Und die Leser interessiert jedesmal nur eins:

Wer ist der wahre Vater von Harry Potter?

Mein Artikel dazu ist mit Abstand der meistgelesene im gesamten Blog. Ich staune immer wieder, dass diese Frage, die in den Büchern eigentlich nie eine war, noch immer die Phantasie der Fans anregt.

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Frankfurter Buchmesse 2012

Mein heutiger Besuch auf der Frankfurter Buchmesse ist leider geplatzt. Aufgrund eines Musterbeispiels für schlechtes Timing liege ich derzeit auf der Nase, weil ich mir selbige vor einigen Tagen im Wege einer ambulanten Operation habe sanieren lassen. Schon ein bisschen ärgerlich, wenn man sich seit Monaten darauf freut und dann nicht hin kann. Ähnliches wiederfuhr vor ein paar Wochen meinem Künstlerkumpel Thomas (unbedingt anschauen: Thoschis Fotoblog), der aufgrund einer Erkrankung nämlich die Photokina sausen lassen musste. Wie waren noch seine Worte gewesen, als ich jetzt die Buchmesse canceln musste? “Es ist nicht unser Messejahr, mein Freund.” Recht hat er.

Passenderweise schrieb der Autorenbrief des Autorenhaus-Verlages diese Woche: “Und falls Sie es in diesem Jahr nicht zur Frankfurter Buchmesse geschafft haben, trösten Sie sich mit dem Eindruck, den der bekannte schwedische Schriftsteller, Philosoph und Vielschreiber Lars Gustafson einmal von der Bücher-Großveranstaltung hatte: “… Tag für Tag derselbe Zug der Lemminge von dunkel gekleideten Menschen, die sich in den Gängen drängeln . . . Aber das Schlimmste von allem: Jede Stunde die gleiche Lesung aus einer mangelhaften Lautsprecheranlage, der es nicht gelingt, das Hintergrundrauschen von den Ständen rechts und links zu übertönen.” Ist es nicht viel schöner stattdessen in häuslicher Stille vor dem Monitor sitzen zu dürfen, um über die nächsten Schachzüge Ihrer Figuren zu brüten?”

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Aber ich wäre doch gerne dagewesen.

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Die Konkurrenz war wieder schneller: Marc Elsbergs “Blackout”

Ich hasse es, wenn das passiert. Und es sieht so aus, als passierte mir das andauernd. Jedesmal, wenn ich ernsthaft an einem Buch arbeite, erscheint eins auf dem Markt, das meinem thematisch ausgesprochen ähnlich ist. So geschehen natürlich auch diesmal. Marc Elsbergs “Blackout” dürfte meinem “Zerfall” ziemlich nahe kommen. Ich habe es selbst noch nicht gelesen, noch steht es nur auf meinem Wunschzettel, aber nachdem, was man so darüber liest … Eine schöne Rezension zum Konkurrenzwerk gibt es übrigens hier im Leseblog von NieOhneBuch: Rezension zu Marc Elsbergs “Blackout”. Wenn ihr das gelesen habt, wisst ihr auch, worum es in “Zerfall” so gehen sollte.

Und jetzt? Schreibe ich noch weiter, oder fange ich gleich was neues an? Wahrscheinlich bin ich einfach zu langsam. Angefangen habe ich vor drei Jahren, und ich hätt längst fertig sein können.

Tief betrübt

Schreiberlein

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