Neulich von einer Bekannten auf die Frage angesprochen, wie weit denn meine Kurzgeschichte sei, antwortete ich ihr, die Rohfassung sei soweit fertig, aber ob ich die ganze Überarbeiterei bis zum Einsendeschluss schaffe, wisse ich noch nicht. Daraufhin fragte sie mich, ob ich denn dann wenigstens die Rohfassung zum Wettbewerb einschicken würde. Schaudernd wich ich zurück. Versenden? Eine Rohfassung? Niemals! Sie schaute mich ein wenig unverständlich an, nicht wissend, was denn so schlimm daran sei, eine nicht hundertprozentig feingearbeitete Geschichte zu verschicken. Es ginge doch in erster Linie um die Idee. Dafür hätte ein Verlag, eine Agentur, der Ausrichter eines Wettbewerbs doch bestimmt Verständnis.Tja, das ist leider ein fundamentaler Irrtum. Ein Verlag, eine Agentur oder der Ausrichter eines Wettbewerbs hat weder die Zeit noch die Lust, sich um unfertige Projekte zu kümmern. Auf ihren Internetseiten flehen die Anbieter die Autoren geradezu an, ihre Manuskripte bzw. Leseproben doch bitte erst dann einzuschicken, wenn man wirklich überzeugt sei, einen Text so gut ausgearbeitet zu haben, dass man kein Verbesserungspotenzial mehr sehe. Mit bloßen Ideen oder Rohfassungen anzukommen kann man sich leisten, wenn man als Autor fest im Sattel sitzt und quasi zusammen mit dem Lektor eines Verlages oder seinem Agenten ein Buch von der Idee an entwirft.
Und zweitens: Eine Rohfassung hat nichts mit “nicht hundertprozentig feingearbeitet” zu tun, denn eine Rohfassung ist meilenweit davon entfernt, auch nur halbfertig zu sein. Aber, um ein wenig mehr Licht ins Dunkel zu bringen, wenden wir uns doch mal der Frage zu: Was ist das eigentlich, eine Rohfassung? Continue reading
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