Tag Archives: Konzept

Rohfassung

Neulich von einer Bekannten auf die Frage angesprochen, wie weit denn meine Kurzgeschichte sei, antwortete ich ihr, die Rohfassung sei soweit fertig, aber ob ich die ganze Überarbeiterei bis zum Einsendeschluss schaffe, wisse ich noch nicht. Daraufhin fragte sie mich, ob ich denn dann wenigstens die Rohfassung zum Wettbewerb einschicken würde. Schaudernd wich ich zurück. Versenden? Eine Rohfassung? Niemals! Sie schaute mich ein wenig unverständlich an, nicht wissend, was denn so schlimm daran sei, eine nicht hundertprozentig feingearbeitete Geschichte zu verschicken. Es ginge doch in erster Linie um die Idee. Dafür hätte ein Verlag, eine Agentur, der Ausrichter eines Wettbewerbs doch bestimmt Verständnis.Tja, das ist leider ein fundamentaler Irrtum. Ein Verlag, eine Agentur oder der Ausrichter eines Wettbewerbs hat weder die Zeit noch die Lust, sich um unfertige Projekte zu kümmern. Auf ihren Internetseiten flehen die Anbieter die Autoren geradezu an, ihre Manuskripte bzw. Leseproben doch bitte erst dann einzuschicken, wenn man wirklich überzeugt sei, einen Text so gut ausgearbeitet zu haben, dass man kein Verbesserungspotenzial mehr sehe. Mit bloßen Ideen oder Rohfassungen anzukommen kann man sich leisten, wenn man als Autor fest im Sattel sitzt und quasi zusammen mit dem Lektor eines Verlages oder seinem Agenten ein Buch von der Idee an entwirft.

Und zweitens: Eine Rohfassung hat nichts mit “nicht hundertprozentig feingearbeitet” zu tun, denn eine Rohfassung ist meilenweit davon entfernt, auch nur halbfertig zu sein. Aber, um ein wenig mehr Licht ins Dunkel zu bringen, wenden wir uns doch mal der Frage zu: Was ist das eigentlich, eine Rohfassung? Continue reading

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Von Exposés und Leseproben

Versetzen Sie sich mal zurück in Ihre Schülerzeit und stellen Sie sich vor, Sie seien wieder zwölf Jahre alt. Falls Sie tatsächlich gerade zwölf Jahre alt sind, während Sie dies lesen, umso besser, dann brauchen Sie nicht so viel Phantasie einzusetzen. Und falls es schon zu lange her ist, um sich noch daran zu erinnern: das ist die Zeit, in der man ungefähr in die fünfte oder sechste Klasse geht, okay? Sind Sie soweit? Gut! Dann malen Sie sich folgende Szene aus:

Es ist Montagmorgen und eine Doppelstunde Mathematik steht ins Haus. Sie hatten am Wochenende mal wieder besseres zu tun, als Ihre Hausaufgaben zu erledigen und stehen mit leeren Händen da, als der Mathelehrer nach den Rechenaufgaben fragt. Doch, nein! Nicht mit ganz leeren Händen, denn Sie haben sich eine großartige Ausrede einfallen lassen! Eine ausgeklügelte Story mit einem Haufen an Argumenten. Eine ganz und gar überzeugende Geschichte. Und Sie haben Zeugen! Zeugen, die Ihnen ein hieb- und stichfestes Alibi verschaffen! Und Ihre Darstellung wird über jeden Zweifel erhaben sein …

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zum guten Schluss

Zu welcher Art Ende-Mensch gehören Sie? Nein, nein, ich meine damit keine bevorzugte Suizidmethode und auch nicht, ob Sie sich ein Totenhemd mit oder ohne Rüschen wünschen oder auf was für einer Art Papier Ihr Testament gedruckt werden soll. Ich meine das mehr im Sinne von Ausklang: Verlängerung bis zum Abpfiff oder sudden death? Umdrehen und einschlafen oder Nachspiel?

Wie so oft, lassen sich Menschen bei solchen Fragen in zwei Kategorien einteilen. Während die einen nach der Kinovorstellung, noch bevor das Licht angeht, aus den Sitzen springen und U-Bahn oder Taxistand zustreben, bleiben die anderen bis zur letzten Zeile des Abspanns hocken und diskutieren anschließend an der Bar beim gemeinsamen Bier die Leistungen der einzelnen Darsteller und die Qualität der Special Effects … Während die einen nach Abgabe ihrer Klausurarbeiten bis zur Rückgabe nichts mehr davon hören wollen, sprechen die anderen nach der Stunde gerne Punkt für Punkt die Aufgaben nochmal durch und vergleichen ihre Lösungen (so, wie es auch Hermine tun würde :D ).

Genauso unterschiedlich sind die Gepflogenheiten oder Wünsche der Leute am Schluss einer Geschichte, egal, ob Buch oder Film.

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Harry Potter 6 und die Folgen

Vor einigen Tagen ist “Harry Potter und der Halbblutprinz” erschienen. Klar, dass ich mir den sofort kaufen und lesen musste. Und ebenso klar war eigentlich, dass das unversehens zu Problemen für die Fortsetzung meiner Arbeit führen würde.

Viele der Locations und Personen des Originals kommen in parodierter Form auch in meinem Text vor. Ist ja klar. Wie soll man sonst etwas parodieren? Dann, nachdem man sich sehr intensiv mit den parodierten Charakteren und Schauplätzen auseinandergesetzt hat, plötzlich eine neue Geschichte aus der Originalwelt des Harry Potter zu lesen, ist echt erst mal irritierend. Noch schwieriger ist es, danach in seinen eigenen Text wieder hineinzufinden. Charaketere und Schauplätze des Originals haben sich möglicherweise in andere Richtungen entwickelt, als meine parodierten Pendants. Davon unbeeindruckt zu bleiben und die eigenen Figuren konsequent so weiterzuentwickeln, wie es ursprünglich gedacht war, ist das eigentliche Problem und gar nicht so leicht.

Ausgerechnet jetzt steht zu allem Überfluss eine Überarbeitungsphase an, in der ich mich intensiv um die Charakterbeschreibungen und die Schauplätze kümmern wollte. Beides ist wichtig, da ich festgestellt habe, dass es da in einigen Punkten noch an Lebendigkeit in meiner eigenen Vorstellung fehlt. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich in meinem Potter-Universum wieder richtig zurechtgefunden habe. Mittlerweile stehen meine Charakterbeschreibungen und Biographien und ich bin zufrieden. Zumindest, was die Beschreibung im Konzept angeht. Fehlt noch die Umsetzung im Manuskripttext. Aber ich habe ja noch ein paar Wochen Urlaub…

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