Archiv der Kategorie: einfach alles

Germanwings auf deutschen Straßen

Beim Absturz des Germanwings-Fluges 9525 sind vor nicht ganz einem Monat einhundertfünfzig Menschen durch den Willkürakt eines Einzelnen unschuldig gestorben. Und nun stelle man sich vor: Ein Unglück verglichen mit diesem mitten in Deutschland! Und das alle vierzehn Tage! Was für eine grausame Vorstellung! Unsere Volksvertreter kämen mit den Staatsakten kaum noch nach. Und doch ist es Realität auf deutschen Straßen. Zehn Verkehrstote jeden Tag. Alle zwei Wochen die Passagierzahl des Germanwings-Airbusses. Ausgelöscht. Häufig genug nicht aus eigenem Verschulden, sondern ebenso unschuldig aus dem Leben gerissen wie die Passagiere von Flug 4U9525. Hinkt der Vergleich? Vielleicht ein wenig. Aber in der Regel passieren Verkehrsunfälle nicht einfach, sie werden verursacht.

Gerade in den letzten Tagen sind allein in Köln mehrere Unschuldige Opfer enthemmter Raserei geworden. Unschuldig getötet durch Autorennen mitten in der Stadt. Autorennen! Ein weiteres Auto ist erst gestern auf der Dürener Straße in Lindenthal mit weit überhöhter Geschwindigkeit aus der Kurve geschleudert, Germanwings auf deutschen Straßen weiterlesen

Besinnliches zum Palmsonntag

Palmsonntag. Und der Rat der Stadt Köln genehmigt einfach einen verkaufsoffenen Sonntag! Zum Verdruss der Christenheit. Tststs. Wie? Ist der Palmsonntag etwa kein Grund zur religiösen Einkehr? Schließlich ist am Palmsonntag unser Herr Jesus Christus, auf einem Esel reitend, in Jerusalem eingezogen! Halleluja! Haltet ein in eurem kapitalistischen Treiben und preiset den Herrn! 

Andererseits… Am Palmsonntag ist auch der Große Schlumpf, auf einer Teekanne fliegend, in Schlumpfhausen eingezogen, hat Sarsaparille verkauft und so die Tradition der verkaufsoffenen Sonntage begründet. Halleluja! Fahrt fort in eurem kapitalistischen Treiben, kauft Sarsaparille und preiset den Großen Schlumpf! Und natürlich auch den Unglaublichen Hulk, der am Palmsonntag sackhüpfend in New York einzog und auf dem Time Square den ersten Breakdance aufführte! Halleluja! Tanzt und preiset den Unglaublichen Hulk! Und Karl Napp,  der am Palmsonntag, sich die Kimme kratzend, in sein Wohnzimmer einzog, eine Literdose Faxe exte und alle drei Strophen der Nationalhymne rülpste! Halleluja! Trinkt Bier und preiset Karl Napp! Und… Mann, ist Religion dämlich! 

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Bundesverfassungsgericht erlaubt Kopftücher in der Schule

Ausschnitt LeserbriefLetzten Freitag als Leserbrief im Kölner Stadtanzeiger, heute ungekürzt im Schreiberlein-Blog: Mein Kommentar zum neuen Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts

 

Das höchste Deutsche Gericht erlaubt nach neuester Rechtsprechung das exponierte Zurschautragen religiöser Symbolik an Deutschen Schulen und unterminiert damit den Ansatz werteneutraler Unterrichtung unserer Kinder in Fragen der Ethik und Weltanschauung. Und es schwächt weiter die ohnehin völlig unzureichende und allenfalls in Ansätzen vorhandene Trennung zwischen Staat und Religion und befeuert deren unseligen Wettbewerb. Sehen wir künftig auch wieder Kruzifixe in den Klassenzimmern? Kreuze um die Hälse von Lehrern? Ordenstrachten? Priestergewänder? Zeigt her euren Glauben, sagt das Urteil des Verfassungsgerichts, versteckt ihn nicht, drängt ihn euren Schutzbefohlenen auf, sie können sich nicht wehren!

Überhaupt verstärkt sich bei mir der Eindruck, nicht nur unsere Gerichte, sondern auch Politik und Medien überböten sich gegenseitig in dem Bemühen, den Religionsgemeinschaften größtmögliches Wohlwollen entgegenzubringen. Rücksichtnahme und political correctness über alles. Da hat man beim Aufschlagen des Stadtanzeigers schon mal das Gefühl, ein theologisches Mitteilungsblatt in den Händen zu halten und kein weltlich orientiertes Nachrichtenjournal. Da geht mit Köln-TV ein neues, angeblich modernes Regionalfernsehen an den Start und brüstet sich damit, regelmäßig den katholischen Gottesdienst zu übertragen, und zwar live! Wie innovativ, wie modern, wie zukunftsweisend! Da genehmigt der Rat der Stadt Köln einen verkaufsoffenen Sonntag am Palmsonntag und entschuldigt sich dafür. Warum? Ist der Rat der Stadt den hunderttausenden Atheisten, Konfessionslosen und Humanisten in Köln nicht ebenso verpflichtet wie dem sich aufregenden Klerus? Danke, liebe Ratsherren, sage ich, entschuldigt euch nicht dafür! Zigtausende Kölner werden sich über den verkaufsoffenen Sonntag freuen!

Schafft es das ach so bewahrenswerte „Abendland“ auch im vierten Jahrhundert seit Anbruch der Aufklärung nicht, dem radikalen, rückständigen, intoleranten und frauenverachtenden Islam etwas anderes entgegenzusetzen als das im Kern ebenso radikale, rückständige, intolerante und frauenverachtende Christentum?

Ich stimme der Leserbriefschreiberin Frau Gudrun Nositschka im Stadtanzeiger ausdrücklich zu in ihrer Beurteilung, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte schleunigst angefochten gehört! Ebenso unterstütze ich ausdrücklich die Bemühungen der Femenaktivistin Josephine Witt in ihrem Kampf gegen die Verurteilung durch das Amtsgerichts Köln wegen angeblicher Störung der Religionsausübung!