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Bundesverfassungsgericht erlaubt Kopftücher in der Schule

Ausschnitt LeserbriefLetzten Freitag als Leserbrief im Kölner Stadtanzeiger, heute ungekürzt im Schreiberlein-Blog: Mein Kommentar zum neuen Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts

 

Das höchste Deutsche Gericht erlaubt nach neuester Rechtsprechung das exponierte Zurschautragen religiöser Symbolik an Deutschen Schulen und unterminiert damit den Ansatz werteneutraler Unterrichtung unserer Kinder in Fragen der Ethik und Weltanschauung. Und es schwächt weiter die ohnehin völlig unzureichende und allenfalls in Ansätzen vorhandene Trennung zwischen Staat und Religion und befeuert deren unseligen Wettbewerb. Sehen wir künftig auch wieder Kruzifixe in den Klassenzimmern? Kreuze um die Hälse von Lehrern? Ordenstrachten? Priestergewänder? Zeigt her euren Glauben, sagt das Urteil des Verfassungsgerichts, versteckt ihn nicht, drängt ihn euren Schutzbefohlenen auf, sie können sich nicht wehren!

Überhaupt verstärkt sich bei mir der Eindruck, nicht nur unsere Gerichte, sondern auch Politik und Medien überböten sich gegenseitig in dem Bemühen, den Religionsgemeinschaften größtmögliches Wohlwollen entgegenzubringen. Rücksichtnahme und political correctness über alles. Da hat man beim Aufschlagen des Stadtanzeigers schon mal das Gefühl, ein theologisches Mitteilungsblatt in den Händen zu halten und kein weltlich orientiertes Nachrichtenjournal. Da geht mit Köln-TV ein neues, angeblich modernes Regionalfernsehen an den Start und brüstet sich damit, regelmäßig den katholischen Gottesdienst zu übertragen, und zwar live! Wie innovativ, wie modern, wie zukunftsweisend! Da genehmigt der Rat der Stadt Köln einen verkaufsoffenen Sonntag am Palmsonntag und entschuldigt sich dafür. Warum? Ist der Rat der Stadt den hunderttausenden Atheisten, Konfessionslosen und Humanisten in Köln nicht ebenso verpflichtet wie dem sich aufregenden Klerus? Danke, liebe Ratsherren, sage ich, entschuldigt euch nicht dafür! Zigtausende Kölner werden sich über den verkaufsoffenen Sonntag freuen!

Schafft es das ach so bewahrenswerte „Abendland“ auch im vierten Jahrhundert seit Anbruch der Aufklärung nicht, dem radikalen, rückständigen, intoleranten und frauenverachtenden Islam etwas anderes entgegenzusetzen als das im Kern ebenso radikale, rückständige, intolerante und frauenverachtende Christentum?

Ich stimme der Leserbriefschreiberin Frau Gudrun Nositschka im Stadtanzeiger ausdrücklich zu in ihrer Beurteilung, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte schleunigst angefochten gehört! Ebenso unterstütze ich ausdrücklich die Bemühungen der Femenaktivistin Josephine Witt in ihrem Kampf gegen die Verurteilung durch das Amtsgerichts Köln wegen angeblicher Störung der Religionsausübung!

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Wieviel Religion verträgt die Kindererziehung?

Als Atheist und Verfechter einer gewaltlosen und freigeistigen Gesellschaft kann ich darauf nur antworten: Überhaupt keine. Wirklich interessant fand ich in dem Zusammenhang die Aussage des Familienberaters Jan-Uwe Rogge im Magazin des Kölner Stadtanzeigers vor einigen Tagen, der zum Thema Lügen in der Kindererziehung sagte, die Grenze für kleine Tricks sei überschritten, wenn den Kindern Angst gemacht werde, oder sie mit Konsequenzen zum Beispiel einer Hyperinstanz bedroht würden (“Gott sieht alles!”).

Dem kann ich nur beipflichten, und in diesem Zusammenhang die Frage aufwerfen, wie das Ideal einer gewaltlosen und angstfreien Kindererziehung eigentlich mit der sogenannten religiösen Früherziehung in unseren Schulen und Kindergärten in Einklang zu bringen ist.
Nicht nur der jüngst vielzitierte Koran, nein, auch die Bibel trieft von Blut und Gewalt. Da wird im Namen des Herrn gemordet, geschändet, vergewaltigt, gefoltert, es wird vertrieben, verstümmelt, verbrannt, ganze Städte und Völker werden ausgelöscht. Spätestens ab der Grundschule, mitunter auch schon im Kindergarten trichtert man den Kindern bösartige Geschichten über einen bedrohlichen, alles Leben beobachtenden und kontrollierenden Gott ein, und droht ihnen bei Verstößen gegen eine fragwürdige Moral mit schrecklichen Konsequenzen, mit göttlicher Vergeltung, Rache, Erbsünde und mit der Hölle.

Auf der einen Seite warnt man gerade zum Schutz der Kinder vor überzogener Gewaltdarstellung in Filmen und Videospielen, und konfrontiert sie auf der anderen Seite spätestens ab der Schule mit der ganzen Perversion der Gewaltexzesse in den sogenannten heiligen Schriften, ja, mehr noch, man zwingt sie mehr oder weniger im Gottesdienst oder dem Schulgebet unter einem Kruzifix, was letztlich nichts anderes ist als das möglichst realistisch gestaltete Bildnis eines krepierenden Menschen unter der bestialischen Marter der Kreuzigung, ihr Haupt zu senken und ihre Knie zu beugen; Gesten der Demut und der Unterwerfung unter eine höchst zweifelhafte himmlische Macht angesichts der Barbarei der Folter.

Diese überkommenen und altmodischen Irrlehren haben in der Kindererziehung nichts verloren! Wer unbedingt will, kann sich zu genüge mit den Religionen beschäftigen, wenn er alt genug dazu ist und selbst beurteilen kann, was davon er glauben will und was nicht. Machen wir endlich Ernst mit der Trennung von Kirche und Staat! Zur Vermittlung von Werten wie Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Verständnis, Gewaltlosigkeit, Empathie, Freundschaft, Liebe braucht niemand die Scheinwerte der Religionen, dazu genügen vollauf die wirklichen Werte des Humanismus!

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Kein Fußbreit dem Klerikalfaschismus – Zur Absage des Braunschweiger Karnevalsumzuges

Vor ein paar Tagen leicht gekürzt als Leserbrief im Kölner Stadtanzeiger, heute ungekürzt im Schreiberlein-Blog: Meine Meinung zur Absage des Braunschweiger Karnevalsumzuges und das allgemeine Zurückweichen vor dem Extremismus.

Was tun, wenn religiöser Extremismus die eigene Lebensweise bedroht? Allen Beteuerungen zum Trotz, man werde vor dem Terror nicht zurückweichen und die Antwort müsse mehr Offenheit und mehr Demokratie sein, scheint unsere Zivilgesellschaft zurzeit nur eine Reaktion auf religiös motivierte Mordanschläge und Terrordrohungen zu kennen: Zurückweichen, Parieren, Kopf einziehen. Versammlungsverbote für Demonstrationen in Dresden, Rückzug eines Mottowagens beim Kölner Karneval, jetzt die Absage des Braunschweiger Karnevalsumzuges. Aus Sicherheitsgründen. Aber nicht Sicherheit, sondern Freiheit ist unser höchstes Gut! Diese gilt es zu verteidigen!

Oder wollen wir wirklich ein Land, in dem wir unsere Feste nicht mehr feiern dürfen wie sie fallen, weil es irgendjemand für zu gefährlich hält? In dem wir nicht mehr laut lachen dürfen, weil sich irgendjemand provoziert fühlen könnte? Was kommt danach? Dass sich Frauen nicht mehr kleiden dürfen wie sie wollen, weil religiöse Männer in Kleidern behaupten, dass sei nicht gottgefällig? Dass wir unser Verhalten nach den höchst zweifelhaften Moralvorstellungen eines wie auch immer gearteten Klerus auszurichten haben? Dass nur noch etwas gesagt, veranstaltet, gedruckt oder gesendet wird, nachdem es zuvor von einer staatlichen oder religiösen Zensur für unbedenklich erklärt wurde?

Schon wird laut gefordert, man dürfe die Gläubigen nicht provozieren, indem man sich über sie lustig macht. Das sei ehrverletzend. Selbstzensur und Denkverbote greifen um sich. Unantastbarkeit ausgerechnet für die Religionen? Rücksichtnahme ausgerechnet auf die, die seit Jahrhunderten und Jahrtausenden die Rechte des Individuums mit Füßen treten und den Willen und die Gedanken der Menschen in Ketten legen? Nein! Kein Fußbreit dem klerikalen Faschismus! Und dabei beziehe ich ausdrücklich sämtliche Glaubensrichtungen mit ein, egal, ob Christ, Moslem, Jude, Buddhist oder Jedi.

Ich jedenfalls habe keine Lust auf ein Dasein hinter Klostermauern. Wir haben nur dieses eine Leben, ob es den Gläubigen nun passt oder nicht. Und es gibt durchaus Leute, die nicht dem törichten Glauben auf ein Leben nach dem Tod in einem sogenannten Paradies nachhängen, sondern mit einem im Diesseits in Selbstbestimmung, Frieden und Freiheit gelebten Leben vollkommen zufrieden sind und sich dieses eine Leben weder von Gewalttätern, noch von Moralaposteln oder Bedenkenträgern diktieren lassen wollen!

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Kein Platz für Charlie-Hebdo-Mottowagen im Kölner Karneval

so-sollte-der-motivwagenBeschlossen und verkündet: Er fährt nicht! Für den Charlie-Hebdo-Wagen ist kein Platz im fröhlichen kölschen Fastelovend. Zu ernst, der Wagen im Spaßkarneval sei dem Opfer der französischen Cartoonisten nicht angemessen. Man sei in erster Linie Karnevalist und nicht Satiriker, lässt sich Zugleiter Kuckelkorn zitieren. Dabei entlarvt sich der Tenor “Die Freiheit und Leichtigkeit des Karnevals solle nicht gestört werden” auf Anhieb als nichts anderes als das feige Zurückweichen vor dem Extremismus, war doch der Kölner Karneval von jeher auch Bühne politischen Statements durch satirische und oft auch böse Motivwagen und durch die scharfzüngige politische Büttenrede, die das Salz in der Suppe des oftmals eher fragwürdigen Saufens und Grölens mit Namen Karneval ist. Und gehen nicht sogar die militärischen Kostüme der zahlreichen Musketen bewehrten Garden, egal, ob im Kölner, Düsseldorfer oder Mainzer Karneval, auf die satirische Verballhornung der französischen bzw. später preußischen Besatzung im 19. Jahrhundert zurück? Damals war man fantasievoll und vor allem mutig genug, militärische Unterdrücker mit Mitteln der Satire zu verspotten, im modernen Kölner Karneval scheinen nur noch Flickenclowns und Tanzmariechen willkommen zu sein.

Aber die Begründung des Stopps mit der vorgeblichen Anstößigkeit des satirischen Wagens wird von den Bedenkenträgern selbst nicht lange durchgehalten. Man hat Angst vor der eigenen Courage bekommen, ist die wirkliche Botschaft, obwohl das Motto des Wagens deutlich nicht antireligiös ist, sondern pro Presse- und Meinungsfreiheit. Aber man nehme die Sorgen der Bürger ernst, die um die Sicherheit des Zuges fürchten, ist zu hören und zu lesen. Und in der Tat ist vielen Meinungsäußerungen zu dem Thema eine Ablehnung des Wagens zu entnehmen. Es sei doch schon genug passiert, ist da zu lesen gewesen, und man beschwöre ein Sicherheitsrisiko herauf.

Na, großartig, Herrschaften! Der bequeme kölsche Wutbürger fürchtet um die Behaglichkeit seines karnevalistischen Treibens! Er möchte “ohne Sorgen einen fröhlichen Karneval erleben”! Millionen Franzosen sind auf die Straße gegangen, und das nicht in einer herbeigeredeten, sondern einer sehr realen Bedrohungslage, um für das universelle Menschenrecht auf freie Rede zu demonstrieren. Und “Je suis Charlie” klopfte sich selbstredend auch der solidarische Kölner stolz auf die Brust. “Arsch huh und Zäng usseinander” schallt es bei jeder Gelegenheit medienwirksam inszeniert daher. Aber nur bei einem gepflegten Kölsch und nur aus der sicheren Deckung, bitteschön! Zu faden Lippenbekenntnissen verkommen, so empfinde ich dieser Tage die Aufrufe aus Politik und Gesellschaft zu Solidarität und Zivilcourage! Wer aus Angst vor den Konsequenzen auf sein Recht auf freie Rede verzichtet, hat nicht verdient, es zu besitzen! Und wem das Leben in einer freiheitlichen Gesellschaft zu gefährlich ist, der sollte am besten zu Hause bleiben!

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